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Traurig ohne Grund: Was dahinterstecken kann und was dir hilft

Wer sich traurig fühlt, ohne einen Grund zu sehen, hat oft mehrere kleine Belastungen zusammen, zu wenig Schlaf oder starke Stimmungsschwankungen, wie sie in der Pubertät häufig sind. Hält die gedrückte Stimmung aber fast jeden Tag und mindestens zwei Wochen an, kann eine Depression dahinterstecken. Dann ist ein Gespräch mit einer Vertrauensperson und in der Kinder- und Jugendarztpraxis der nächste Schritt.

Du fühlst dich traurig ohne Grund, schaust auf deinen Tag und findest nichts, was schiefgelaufen ist? Das kennen viele Jugendliche, und es ist verwirrend. Oft gibt es doch Gründe, nur sind sie klein, verteilt oder nicht sofort sichtbar. Manchmal steckt der Körper dahinter, etwa zu wenig Schlaf. Und manchmal ist die Traurigkeit der Anfang einer Depression. Auf dieser Seite erfährst du, wie du diese Möglichkeiten auseinanderhältst und wann du dir Unterstützung holen solltest. Wie deine Stimmung in den letzten zwei Wochen war, kannst du vorher mit dem Stimmungs-Check für Teens einschätzen.

Warum Traurigkeit manchmal keinen erkennbaren Grund hat

Traurigkeit braucht keinen großen Auslöser. Das Gesundheitsportal des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) schreibt, dass Kinder und Jugendliche sich oft traurig oder niedergeschlagen fühlen. Streit mit den Eltern, Probleme in der Schule oder eine Freundschaft, die zu Ende geht, können die Stimmung drücken, ohne dass das eine Krankheit ist [1]. Solche Dinge laufen oft nebenher. Du merkst dann nur das Gefühl, nicht woher es kommt.

Fachleute der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am LMU Klinikum München erklären das auf ihrem Jugendportal "ich bin alles" mit einem Fass. Belastungen sammeln sich darin wie Wasser. Wer von seinen Genen oder seiner Art zu denken her empfindlicher ist, bei dem läuft das Fass schon bei wenigen oder kleinen Belastungen über. Bei anderen braucht es viele oder sehr schwere [5]. Als Belastungen nennt das Portal zum Beispiel Konflikte in der Familie oder im Freundeskreis, Mobbing, den Tod nahestehender Menschen, eine Trennung oder Überforderung in der Schule [5]. Wenn du gerade traurig bist und keinen Grund findest, lohnt sich deshalb die Frage, was sich in den letzten Wochen alles angesammelt hat.

Das Portal beschreibt auch, dass man sich niedergeschlagen fühlen kann, ohne zu wissen, warum. So ein Stimmungstief kann kommen und wieder gehen. Bleibt die gedrückte Stimmung aber, kann sie auf eine Depression hinweisen [4].

Pubertät: Wenn die Stimmung schwankt

In der Pubertät verändert sich viel auf einmal, auch im Kopf. Das österreichische Gesundheitsportal schreibt, dass das Gehirn in diesen Jahren weiter reift und etwa die Hälfte seiner Verbindungsstellen zwischen Nervenzellen umbaut. Fachleute vermuten, dass dieser Umbau zu den Stimmungsschwankungen beiträgt [7]. Die Stimmung kann dann zwischen Traurigkeit und Überschwang hin und her pendeln. Dazu kommen Gereiztheit oder Wut, mehr Konflikte und die vielen Veränderungen dieser Zeit, etwa die körperliche Entwicklung und die erste Verliebtheit [7].

Junge Frau um die achtzehn sitzt mit einer Tasse Tee auf dem Bett und schaut aus dem Fenster
Bild: KI-generiert

Genau das macht es schwierig. Laut IQWiG lassen sich normale Stimmungsschwankungen bei Jugendlichen oft nur schwer von einer Depression unterscheiden [1]. Ein einzelner trauriger Tag sagt deshalb wenig. Wichtiger ist, wie lange das Gefühl bleibt und wie stark es deinen Alltag verändert.

Schlaf, Stress und der Körper

Schlaf hat großen Einfluss darauf, wie du dich fühlst. Die amerikanische Fachgesellschaft für Schlafmedizin (AASM) empfiehlt Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren regelmäßig 8 bis 10 Stunden Schlaf pro Tag. Wer dauerhaft weniger schläft, hat laut ihrer Empfehlung von 2016 eher Probleme mit Aufmerksamkeit, Verhalten und Lernen und ein höheres Risiko für Depressionen [8]. Wenn du abends lange wach liegst oder morgens kaum hochkommst, ist der Schlaf ein guter erster Ansatzpunkt. Warum Jugendliche abends oft spät müde werden, erklärt der Ratgeber Warum Jugendliche spät müde werden.

Auch Dauerstress kann sich auf die Stimmung legen. Das Jugendportal "ich bin alles" beschreibt, dass das Stresssystem des Körpers bei manchen Menschen länger aktiv bleibt, als es sollte. Das Stresshormon Cortisol wird dann länger ausgeschüttet, und das kann sich als Erschöpfung, Magenprobleme, Nervosität oder Schlafprobleme zeigen [5].

Seltener steckt eine körperliche Krankheit dahinter. Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse können laut IQWiG unter anderem Schwäche, Müdigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Teilnahmslosigkeit sowie Depressionen oder andere psychische Auffälligkeiten auftreten [9]. Deshalb gehört zur Abklärung einer Depression bei Jugendlichen auch eine körperliche Untersuchung. Sie kann eine Blutuntersuchung einschließen, damit körperliche Ursachen wie eine Schilddrüsenerkrankung erkannt werden [6].

Möglicher HintergrundWoran du ihn erkennen kannstBeleg
Viele kleine BelastungenStreit, Schulstress oder eine zerbrochene Freundschaft liegen schon eine Weile zurück oder laufen nebenher[1, 5]
Stimmungsschwankungen in der PubertätDie Stimmung pendelt zwischen traurig und überschwänglich und wird zwischendurch wieder besser[7]
Zu wenig SchlafDu schläfst an Schultagen deutlich weniger als 8 Stunden und bist tagsüber müde und unkonzentriert[8]
Körperliche Ursache, etwa die SchilddrüseStarke Müdigkeit und Schwäche kommen zur gedrückten Stimmung dazu; klären kann das nur eine Untersuchung[6, 9]
Beginnende DepressionGedrückte oder gereizte Stimmung und wenig Freude fast jeden Tag, mindestens zwei Wochen lang[2, 4]

Wann eine Depression dahinterstecken kann

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von einer depressiven Phase, wenn die Beschwerden den größten Teil des Tages anhalten, fast jeden Tag, und das mindestens zwei Wochen lang. Im Mittelpunkt steht eine gedrückte Stimmung, die sich traurig, leer oder gereizt anfühlen kann, und der Verlust von Freude und Interesse. Weitere mögliche Beschwerden sind schlechte Konzentration, starke Schuldgefühle oder ein geringer Selbstwert, Hoffnungslosigkeit, Gedanken an den Tod, gestörter Schlaf, ein veränderter Appetit und wenig Energie [2].

Bei Jugendlichen sieht eine Depression oft etwas anders aus als bei Erwachsenen. Laut "ich bin alles" sind Kinder und Jugendliche mit einer Depression häufiger gereizt und launisch, und körperliche Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen kommen öfter vor. Mädchen haben dem Portal zufolge häufiger Schuldgefühle, ein geringes Selbstwertgefühl und Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper. Jungen sind eher reizbar und spielen ihre Beschwerden manchmal herunter, was eine Depression schwerer erkennbar macht [4]. Das IQWiG nennt als mögliche Warnzeichen bei Jugendlichen neben anhaltender Niedergeschlagenheit auch Gewichtsschwankungen, Alkohol- oder Drogenkonsum, ein extremes Schlafbedürfnis und Gedanken an Selbsttötung [1].

Einzelne dieser Anzeichen kommen auch bei gesunden Menschen vor. Ein Selbsttest kann deshalb keine Depression feststellen; das können nur Ärztinnen, Ärzte oder Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten [4]. Wie sich Traurigkeit und Depression bei Erwachsenen unterscheiden, beschreibt der Ratgeber Traurig oder depressiv? auf check-dich-selbst.de.

Wie häufig gedrückte Stimmung bei Jugendlichen ist

Etwa 5 von 100 Kindern und Jugendlichen haben laut IQWiG Beschwerden, die auf eine Depression hinweisen [1]. Die WHO schätzt, dass weltweit 1,3 Prozent der 10- bis 14-Jährigen und 3,4 Prozent der 15- bis 19-Jährigen eine Depression haben [3].

In Deutschland befragt das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf seit 2020 Familien in der COPSY-Studie. In der achten Befragungsrunde stieg bei Mädchen und jungen Frauen ab 14 Jahren der Anteil mit depressiven Beschwerden innerhalb eines Jahres von 11 auf 17 Prozent. 18 Prozent der jungen Menschen fühlten sich einsam, vor der Pandemie waren es 14 Prozent [10]. Wenn du dich oft allein fühlst, kann dir der Einsamkeits-Check helfen, das genauer anzuschauen.

Was du selbst tun kannst

Die WHO rät bei gedrückter Stimmung, Dinge weiterzumachen, die dir früher Freude gemacht haben, und mit Menschen in Kontakt zu bleiben, die dir wichtig sind. Bewegung hilft, auch wenn es nur ein kurzer Spaziergang ist. Außerdem empfiehlt sie regelmäßige Essens- und Schlafzeiten, wenig Alkohol, keine Drogen und ein Gespräch mit jemandem, dem du vertraust [2].

Junger Mann um die achtzehn führt im Hof eines Tierheims einen freundlichen Hund an der Leine
Bild: KI-generiert

Das IQWiG beschreibt ähnliche Dinge speziell für Jugendliche. Sport und Bewegung können Beschwerden lindern und das Selbstvertrauen stärken. Wer am Schulsport keinen Spaß hat, kann etwas anderes ausprobieren, bei dem die Freude im Vordergrund steht. Manche führen ein Tagebuch, um ihre Gefühle und Sorgen zu ordnen und festzuhalten, wann es ihnen besser oder schlechter geht und was ihnen aus einem Tief hilft. Mit anderen zu reden und sich verbunden zu fühlen, nennt das IQWiG besonders wichtig für die seelische Gesundheit [1].

In so einem Tagebuch kannst du zum Beispiel notieren, wie lange du geschlafen hast, was am Tag los war und wie deine Stimmung am Abend war. Nach ein paar Wochen siehst du vielleicht, ob die schlechten Tage mit etwas Bestimmtem zusammenfallen, etwa mit kurzen Nächten, Klassenarbeiten oder Streit. Solche Notizen kannst du auch zu einem Termin in der Praxis mitnehmen. Die Tipps ersetzen keine Behandlung, wenn es dir über Wochen schlecht geht.

Mit wem du reden kannst

Viele Jugendliche behalten ihre Traurigkeit für sich, weil sie keinen Grund nennen können und Angst haben, nicht ernst genommen zu werden. Du musst keinen Grund haben, um mit jemandem zu reden. Das IQWiG nennt als Anlaufstellen die Schulsozialarbeit, die Schulpsychologie, Lehrkräfte, denen du vertraust, die Kinder- und Jugendarztpraxis und Familienberatungsstellen [1].

Zwei junge Männer um die neunzehn sitzen mit heißer Schokolade am Fenster eines Cafés und reden
Bild: KI-generiert

Wenn du nicht mit deinen Eltern sprechen willst, musst du das nicht als Erstes tun. Nach § 8 Absatz 3 des Achten Sozialgesetzbuchs haben Kinder und Jugendliche Anspruch auf Beratung ohne Wissen ihrer Eltern, solange eine Mitteilung an die Eltern den Zweck der Beratung vereiteln würde [12]. Das gilt für die Beratung in der Kinder- und Jugendhilfe. Wie das genau geht, steht im Ratgeber Hilfe holen ohne die Eltern.

Anonym und kostenlos reden kannst du mit der Nummer gegen Kummer unter 116 111, Montag bis Samstag von 14 bis 20 Uhr [13]. Wenn du lieber schreibst, gibt es dort auch einen Chat [11].

Wann du dir Hilfe holen solltest

Hol dir Unterstützung, wenn die Traurigkeit seit zwei Wochen oder länger fast jeden Tag da ist, wenn dir kaum noch etwas Freude macht oder wenn du dich von Freunden und Familie zurückziehst. Der erste Schritt kann die Kinder- und Jugendarztpraxis sein. Einen ersten Termin kannst du auch direkt in einer kinder- und jugendpsychiatrischen oder kinder- und jugendpsychotherapeutischen Praxis vereinbaren [1].

Eine Depression bei Jugendlichen lässt sich behandeln. Bei leichten Beschwerden kann es reichen, eine Zeit lang abzuwarten und dabei Unterstützung zu bekommen, etwa durch eine Familien- oder psychologische Beratung. Reicht das nicht, helfen vor allem Psychotherapie und, je nach Lage, weitere Angebote. In der Psychotherapie geht es um belastende Gedanken wie Selbstzweifel und Schuldgefühle [1]. Wenn es dir akut sehr schlecht geht, können Kinder- und Jugendpsychotherapeutinnen und -therapeuten eine Akutbehandlung anbieten; einen schnellen Termin vermittelt der Terminservice der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Außerhalb der Sprechzeiten erreichst du den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 [11].

Weitere Angebote zum Reden und Schreiben stehen auf unserer Seite Hilfe finden.

  1. Behörde Depressionen bei Kindern und Jugendlichen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 13.12.2023. abgerufen am 28.10.2026
  2. Behörde Depressive disorder (depression), Fact sheet. Weltgesundheitsorganisation (WHO). Stand 11.09.2026. abgerufen am 28.10.2026
  3. Behörde Mental health of adolescents, Fact sheet. Weltgesundheitsorganisation (WHO). Stand 01.09.2025. abgerufen am 28.10.2026
  4. Organisation Anzeichen und Merkmale einer Depression (Jugendportal "ich bin alles"). Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, LMU Klinikum München. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
  5. Organisation Depression: Was sind die Ursachen? (Jugendportal "ich bin alles"). Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, LMU Klinikum München. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
  6. Organisation Wie wird eine Depression festgestellt? (Jugendportal "ich bin alles"). Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, LMU Klinikum München. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
  7. Behörde Pubertät: Psyche. Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs, gesundheit.gv.at. Stand 03.05.2024. abgerufen am 28.10.2026
  8. Leitlinie Recommended Amount of Sleep for Pediatric Populations: A Consensus Statement of the American Academy of Sleep Medicine. Journal of Clinical Sleep Medicine 12(6), S. 785 bis 786. Paruthi S, Brooks LJ, D'Ambrosio C u. a. (American Academy of Sleep Medicine). Stand 2016. abgerufen am 28.10.2026
  9. Behörde Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 24.04.2024. abgerufen am 28.10.2026
  10. Studie Zukunftsängste belasten Kinder und Jugendliche, aber sie verfügen über gute mentale Ressourcen (COPSY-Studie, 8. Befragungswelle). Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), über idw. Stand 04.12.2025. abgerufen am 28.10.2026
  11. Behörde Soforthilfe (Wege im Gesundheitswesen: Jugend, psychische Gesundheit). Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 23.04.2026. abgerufen am 28.10.2026
  12. Gesetz Achtes Buch Sozialgesetzbuch (SGB VIII), § 8 Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026
  13. Organisation Kinder- und Jugendtelefon. Nummer gegen Kummer e. V.. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026

Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.

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