Ratgeber
Cybermobbing: Was du tun kannst, wenn es dich trifft
Bei Cybermobbing hilft es, nicht sofort zu antworten, alles mit Screenshots zu sichern, die Absender zu blockieren und die Inhalte bei der Plattform zu melden. Erzähl es einer erwachsenen Person, der du vertraust, bei Vorfällen aus der Schule auch einer Lehrkraft. Anonym reden kannst du bei der Nummer gegen Kummer unter 116 111, in schweren Fällen kannst du Anzeige bei der Polizei erstatten.
Cybermobbing: Was tun, wenn dich jemand im Netz immer wieder beleidigt, bloßstellt oder bedroht? Du kannst mehr machen, als es auszuhalten. Auf dieser Seite steht, wie du Beweise sicherst, wie du Absender blockierst und meldest, mit wem du reden kannst und wann die Polizei zuständig ist. Die Schritte stammen von klicksafe, der EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz, und von der Polizei. Ob das, was dir passiert, schon Cybermobbing ist, kannst du vorher mit dem Cybermobbing-Check einordnen.
Was als Cybermobbing gilt
Von Cybermobbing spricht man, wenn Mobbing in digitalen Medien stattfindet, also in sozialen Netzwerken, Messengern, Foren oder Gaming-Chats [1]. Mobbing heißt, dass jemand über längere Zeit geärgert, unterdrückt oder ausgegrenzt wird und sich allein nicht mehr wehren kann [1]. Die Polizei beschreibt es so: Einzelne oder Gruppen belästigen, bedrohen, bloßstellen oder grenzen jemanden absichtlich und systematisch über längere Zeit aus, mit dem Handy oder über das Internet [2].
Klicksafe zählt dazu Beleidigungen in Privatnachrichten, Gruppen oder öffentlichen Posts, Lügen und Gerüchte, das Verbreiten privater Informationen oder Fotos und neuere Formen mit KI: Foto- und Videomontagen, Stimmaufnahmen, die täuschend echt klingen, Deepfakes (täuschend echte, gefälschte Videos) und gefälschte Profile [1].
Online ist manches schwerer als auf dem Schulhof. Es kann jederzeit passieren, auch abends in deinem Zimmer, deshalb fehlt ein Ort zum Durchatmen. Inhalte verbreiten sich schnell, Täter bleiben leichter anonym, und was einmal im Netz steht, bleibt oft jahrelang auffindbar [1]. Darum lohnt es sich, früh zu handeln.
Die ersten Schritte im Überblick
Klicksafe und die Polizei empfehlen fast dieselben Schritte. Die Reihenfolge ist wichtig: Erst sichern, dann blockieren und löschen lassen.
| Schritt | Was du tust | Beleg |
|---|---|---|
| Nicht sofort antworten | Auf gemeine Nachrichten nicht reagieren, damit sich der Streit nicht hochschaukelt | [1, 2] |
| Beweise sichern | Screenshots machen, Chats speichern, aufschreiben, wer was wann getan hat | [1, 2] |
| Blockieren | Absender blockieren, bei Bedarf Nummer, Nickname oder Mailadresse ändern | [1, 2] |
| Melden | Inhalte bei der Plattform melden, damit sie gelöscht und Konten gesperrt werden | [1, 2] |
| Meldestelle nutzen | Cybermobbing zusätzlich bei jugendschutz.net melden | [3] |
| Reden | Eltern, Freunde, Lehrkräfte oder eine Beratung einschalten | [1, 2] |
| Anzeige | In schweren Fällen mit den gesicherten Beweisen zur Polizei gehen | [1, 2] |
Nicht zurückschlagen
Der erste Impuls ist oft, zurückzuschreiben. Klicksafe rät, Ruhe zu bewahren und nicht sofort auf beleidigende Inhalte zu antworten [1]. Auch die Polizei empfiehlt, auf Angriffe nicht einzugehen [2]. Wer zurückbeleidigt, liefert den anderen neuen Stoff, und im schlimmsten Fall steht deine Nachricht dann neben ihren Screenshots. Die Krankenkasse DAK schreibt auf ihrer Seite zu Mobbing, dass Vergeltung die Lage verschlimmert [10].
Wenn du doch etwas sagen willst, mach es mit einer Vertrauensperson zusammen und erst, wenn du die Beweise gesichert hast.
Beweise sichern, bevor etwas verschwindet
Beiträge können gelöscht werden, Storys verschwinden nach einem Tag, und Täter ändern ihre Namen. Deshalb kommt das Sichern vor dem Blockieren. Klicksafe nennt Screenshots und das Speichern von Nachrichten [1]. Die Polizei rät, festzuhalten, wer was wann getan hat, Screenshots zu machen und Chatverläufe zu speichern [2].

Für jeden Vorfall kannst du dir kurz notieren:
- wann es passiert ist und auf welcher App oder Seite,
- wer beteiligt war, mit Profilnamen,
- was genau geschrieben, gepostet oder verschickt wurde,
- wem du es schon gesagt oder gemeldet hast.
Speicher die Screenshots an einem Ort, auf den nur du Zugriff hast, und schick sie einer Vertrauensperson, damit sie nicht verloren gehen. Mit so einer Sammlung können Schule und Polizei viel mehr anfangen als mit einer Erinnerung. Die Polizei schreibt ausdrücklich, dass die Dokumentation bei einer Anzeige als Beweis dient [2].
Wenn jemand Nacktbilder von dir verbreitet oder dich damit erpresst, erzähl es sofort einer erwachsenen Person, der du vertraust, und hol dir Beratung. JUUUPORT berät auch zu Sextortion, also Erpressung mit intimen Bildern [5].
Blockieren und melden
Wenn die Beweise gesichert sind, blockier die Absender. Die Polizei nennt als weitere Möglichkeit, die Handynummer, den Nickname oder die Mailadresse zu wechseln [2]. Melde die Beiträge und Profile direkt bei der Plattform. Klicksafe verlinkt dafür die Meldeseiten von Instagram, Facebook, TikTok, Snapchat, WhatsApp und YouTube [1]. Die Plattform kann Inhalte löschen und Konten sperren [2].
Fotos oder Videos, die ohne deine Erlaubnis online sind, kann die Plattform entfernen. Nach Angaben der Polizei kann auch eine Anwältin oder ein Anwalt erreichen, dass die Täter eine Unterlassungserklärung abgeben müssen, also schriftlich zusagen, damit aufzuhören [2].
Zusätzlich gibt es offizielle Meldestellen. Bei jugendschutz.net, einer von Bund und Ländern getragenen Stelle für den Jugendschutz im Internet, kannst du über ein Formular Inhalte melden. Cybermobbing steht dort als eigene Kategorie. Du gibst die Internetadresse an und beschreibst kurz, was dort zu sehen ist. Deine Mailadresse ist freiwillig [3].
Mit wem du reden kannst
Du musst das nicht allein durchstehen. Klicksafe rät, Verbündete zu suchen, also Freundinnen, Freunde und erwachsene Vertrauenspersonen [1]. Das können deine Eltern sein, ältere Geschwister, jemand aus dem Verein oder die Schulsozialarbeit. Wenn die Angriffe aus deiner Klasse oder Schule kommen, schalte die Vertrauenslehrkraft, die Klassenlehrkraft oder die Schulleitung ein [1].

Sprich nicht vorschnell selbst mit den Eltern der Täter. Klicksafe warnt, dass das die Fronten verhärten kann, und rät zu einer neutralen Person, die vermittelt [1].
Wenn du erst einmal anonym reden willst, ruf die Nummer gegen Kummer an: 116 111, Montag bis Samstag von 14 bis 20 Uhr, kostenlos. Samstags beraten dort Jugendliche. Über die Website kannst du auch jederzeit schreiben und bekommst innerhalb von zwei Tagen eine Antwort [4]. Bei JUUUPORT helfen dir Jugendliche und junge Erwachsene aus ganz Deutschland vertraulich und kostenlos, Cybermobbing ist dort eines der Themen [5]. Weitere Angebote stehen auf Hilfe finden.
Vielleicht willst du nicht, dass deine Eltern alles mitbekommen. Das Gesetz gibt dir dafür ein eigenes Recht: Kinder und Jugendliche dürfen sich von der Kinder- und Jugendhilfe, also vom Jugendamt oder einer Beratungsstelle, ohne Wissen ihrer Eltern beraten lassen, solange eine Mitteilung an die Eltern den Zweck der Beratung zunichtemachen würde [9].
Was die Rechtslage sagt
Cybermobbing ist als Begriff keine eigene Straftat. Viele Handlungen dabei können aber strafbar sein [1, 2]. Klicksafe und die Polizei nennen unter anderem Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung, also das Verbreiten von Lügen, außerdem Bedrohung und Nötigung, Nachstellen (Stalking) und das unerlaubte Aufnehmen und Verbreiten von Fotos oder Videos aus dem privaten Bereich [1, 2]. Dazu kommt das Recht am eigenen Bild [1]. Nach dem Kunsturhebergesetz dürfen Bilder von dir grundsätzlich nur mit deiner Einwilligung verbreitet oder öffentlich gezeigt werden [11].
Wer bei der Tat jünger als 14 Jahre war, gilt nach dem Strafgesetzbuch als schuldunfähig und wird dafür nicht bestraft [8]. Ab 14 Jahren kann man für solche Taten strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden. Bei älteren Tätern warnt die Polizei, dass Konten gesperrt, Handys und Computer beschlagnahmt und ein Strafverfahren eingeleitet werden können [2].
Ob du Anzeige erstattest, entscheidest du am besten zusammen mit einer erwachsenen Person, der du vertraust. In schweren Fällen rät klicksafe dazu [1]. Nimm deine gesicherten Beweise mit. Wenn du bedroht wirst und akut in Gefahr bist, ruf die Polizei unter 110 oder den Notruf 112 an.
Wenn du siehst, dass jemand fertiggemacht wird
Viele bekommen Cybermobbing mit, ohne selbst Ziel zu sein. Klicksafe schreibt, dass schon das Weiterleiten oder Liken beleidigender Inhalte problematisch ist und als Cybermobbing gelten kann [1]. Die Polizei sieht es genauso: Wer mitmacht oder schweigend zusieht, trägt zum Cybermobbing bei [2].
Du kannst das Gegenteil tun. Klicksafe nennt das, aus Zuschauenden Unterstützende zu machen: Schreib der betroffenen Person privat, dass du auf ihrer Seite stehst. Sichere Screenshots, melde die Beiträge und sag einer erwachsenen Person Bescheid [1]. Leite nichts weiter, auch nicht, um anderen zu zeigen, wie fies es ist.
Wie oft Cybermobbing vorkommt
Du bist mit dem Problem nicht allein. In der Schülerbefragung der WHO von 2021/22 mit über 279.000 Jugendlichen im Alter von 11, 13 und 15 Jahren aus 44 Ländern und Regionen gaben 15 Prozent der Jungen und 16 Prozent der Mädchen an, online gemobbt worden zu sein. 2018 waren es noch 12 und 13 Prozent [7]. In Deutschland berichteten in derselben Studie 2022 rund 7 Prozent der 6.475 befragten Schülerinnen und Schüler von Erfahrungen mit Cybermobbing, als Betroffene, als Täter oder beides. Der Anteil ist seit 2017/18 gestiegen [6].
Oft hängt Cybermobbing mit Mobbing in der Schule zusammen [1]. Wie du dich dort wehrst und welchen Weg du in der Schule gehen kannst, beschreibt der Ratgeber Mobbing in der Schule. Wenn dir die Zeit im Netz insgesamt nicht guttut, hilft der Social-Media-Test beim Einordnen.
Wenn es dir schlecht geht
Cybermobbing kann schwer auf die Psyche gehen. Die Forschenden der deutschen HBSC-Studie schreiben, dass Mobbing schwere Folgen für die psychische Gesundheit Heranwachsender hat [6]. Die DAK nennt als mögliche Folgen von Mobbing unter anderem Schlafstörungen, Schulangst und Konzentrationsprobleme [10]. Wie es dir insgesamt geht, kannst du mit dem Stimmungs-Check einordnen. Ob du Menschen hast, die dich auffangen, zeigt der Test zur sozialen Unterstützung.

- Organisation Cybermobbing: Warnsignale erkennen und richtig reagieren. klicksafe (EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz, Medienanstalt Rheinland-Pfalz). Stand 16.02.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Cybermobbing. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes, polizeifuerdich.de. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Verstoß melden. jugendschutz.net (von Bund und Ländern getragene Stelle für den Jugendschutz im Internet). Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
- Organisation Kinder- und Jugendtelefon und Online-Beratung. Nummer gegen Kummer e. V.. Stand 2026. abgerufen am 28.10.2026
- Organisation JUUUPORT: Hilfe bei Cybermobbing und anderen Online-Problemen. JUUUPORT e. V.. Stand 2026. abgerufen am 28.10.2026
- Studie Mobbing und Cybermobbing an Schulen in Deutschland: Ergebnisse der HBSC-Studie 2022 und Trends von 2009/10 bis 2022. Journal of Health Monitoring 2024 (1). Fischer SM, Bilz L (Robert Koch-Institut). Stand 04.03.2024. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde One in six school-aged children experiences cyberbullying, finds new WHO/Europe study. Weltgesundheitsorganisation, Regionalbüro für Europa. Stand 27.03.2024. abgerufen am 28.10.2026
- Gesetz Strafgesetzbuch (StGB), § 19 Schuldunfähigkeit des Kindes. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026
- Gesetz Sozialgesetzbuch Achtes Buch (SGB VIII), § 8 Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026
- Organisation Mobbing in der Schule: Was Eltern und Lehrkräfte tun können. DAK-Gesundheit. Stand 01.10.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Gesetz Kunsturhebergesetz (KunstUrhG), § 22 Recht am eigenen Bilde. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026
Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.
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