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Körperbild bei Jugendlichen: Social Media, Filter und was dir hilft

Das Körperbild von Jugendlichen entsteht in Kindheit und Pubertät und wird stark von Schönheitsidealen geprägt, heute vor allem über Social Media. Studien zeigen, dass idealisierte Bilder die Zufriedenheit mit dem eigenen Körper kurzfristig deutlich senken, und dass weniger Social Media sie bei jungen Menschen mit seelischen Belastungen verbessern kann. Drehen sich deine Gedanken ständig um Figur und Essen, lass dich beraten.

Dein Körperbild ist die Art, wie du deinen Körper siehst, wie du über ihn denkst und was du dabei fühlst. Bei Jugendlichen ist das Körperbild besonders in Bewegung, weil sich der Körper in der Pubertät schnell verändert und gleichzeitig auf dem Handy ständig Bilder anderer Menschen auftauchen. Diese Seite fasst zusammen, was die Forschung über Social Media und Körperbild weiß, warum das Thema auch Jungen betrifft und was dir helfen kann. Ob dein Verhältnis zum Essen schon darunter leidet, kannst du mit dem Essverhalten-Check für Jugendliche einschätzen.

Wie dein Körperbild entsteht

Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) beschreibt, dass sich das Körperbild in Kindheit und Pubertät entwickelt. In dieser Zeit verinnerlichen junge Menschen das Schönheitsideal, das in ihrer Umgebung gilt, besonders stark [1]. In westlichen Industrieländern gilt ein extrem schlankes Ideal. Laut BIÖG steigert es bei Jugendlichen oft die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper. Gleichzeitig haben sich Schönheitsideale im Lauf der Zeit immer wieder verändert [2].

Ein paar Tage, an denen du dich in deinem Körper unwohl fühlst, sind normal. Von einer Körperbildstörung sprechen Fachleute, wenn jemand den eigenen Körper anders wahrnimmt, als er ist, sich zum Beispiel zu dick findet, obwohl er dünn ist. Dazu kommen oft Ekel vor sich selbst und ein Verhalten, das sich um den Körper dreht: manche verstecken ihn unter weiter Kleidung und vermeiden es, ihn anzusehen, andere beschäftigen sich übermäßig mit ihrem Aussehen und ihrer Figur. Eine Körperbildstörung tritt sehr häufig zusammen mit einer Essstörung auf [1].

Was Jugendliche über Social Media und Aussehen sagen

Wie stark das Thema Jugendliche beschäftigt, zeigt eine Befragung der österreichischen Initiative Saferinternet.at. Im Dezember 2023 wurden 400 Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren befragt. Rund 70 Prozent waren mit ihrem Aussehen zumindest eher zufrieden. Trotzdem würden 51 Prozent gern etwas an ihrem Körper ändern, bei den Mädchen 60 Prozent [3].

Zwei Drittel der Befragten meinten, dass soziale Netzwerke beeinflussen, ob man sich selbst schön findet. 71 Prozent sagten, die Bilder dort führen dazu, dass man sich mit anderen vergleicht. 27 Prozent fühlten sich nach dem Scrollen durch ihre Feeds schlecht. Drei Viertel schrieben Influencerinnen und Influencern aus Beauty und Fitness einen Einfluss auf Jugendliche zu. 28 Prozent hatten schon einmal über eine Schönheitsoperation nachgedacht [3]. Die Zahlen stammen aus Österreich.

Was Studien zu Social Media und Körperbild zeigen

Ob Social Media das Körperbild wirklich verschlechtert oder ob unzufriedene Jugendliche einfach mehr scrollen, ist schwer zu trennen. Dafür braucht es Experimente, in denen Forschende festlegen, wer welche Bilder sieht, und Studien, die dieselben Menschen über längere Zeit begleiten. Die Tabelle fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen.

Art der StudieWas herauskamBeleg
Experimente mit idealisierten Bildern (24 Gruppen, 3.816 Personen)Wer idealisierte Bilder aus sozialen Medien sah, war danach deutlich unzufriedener mit dem eigenen Körper als nach Bildern ohne Bezug zum Aussehen. Der Effekt war mittelgroß.[4]
Langzeitstudien (10 Gruppen, 5.177 Personen)Mehr Social-Media-Nutzung hing später nur sehr schwach mit einem schlechteren Körperbild zusammen.[4]
Weniger Social Media (220 junge Erwachsene, 17 bis 25 Jahre)Wer drei Wochen lang die Nutzung auf rund 78 Minuten am Tag senkte, bewertete Aussehen und Gewicht danach besser als die Vergleichsgruppe.[5]
Social Media und Selbstwert (387 Jugendliche, 13 bis 15 Jahre)Bei 88 Prozent hatte die Nutzung keinen oder einen sehr kleinen Effekt auf den Selbstwert, bei 8 Prozent einen negativen und bei 4 Prozent einen positiven.[6]
Programme für ein besseres Körperbild (43 Studien)Im Schnitt ein kleiner Effekt, bei Jugendlichen größer. Gruppen mit Anleitung und mehrere Termine wirkten besser als Einzelübungen.[7]

Die Auswertung der Experimente stammt von Forschenden um Madelaine de Valle aus dem Jahr 2021. Idealisierte Bilder wirkten dort etwas stärker als andere Bilder, in denen es ebenfalls ums Aussehen ging, der Unterschied war aber knapp. Wurden auffällige Ausreißer herausgerechnet, blieben die Effekte bestehen, fielen aber kleiner aus [4]. Idealisierte Bilder verändern also kurzfristig messbar, wie zufrieden du mit deinem Körper bist. Über längere Zeit betrachtet ist der Zusammenhang mit der Nutzung insgesamt schwach.

Die Studie zum Selbstwert von Patti Valkenburg und Kolleginnen von 2021 zeigt, warum Durchschnittswerte wenig über dich sagen. Die Jugendlichen beantworteten drei Wochen lang sechsmal am Tag Fragen auf dem Handy. Die meisten reagierten kaum auf Social Media, eine kleine Gruppe aber deutlich, in die eine oder die andere Richtung [6]. Achte deshalb darauf, wie es dir selbst nach dem Scrollen geht. Wie du soziale Netzwerke nutzt, kannst du mit dem Social-Media-Test anschauen.

Filter, Bearbeitung und Vergleiche

Viele Bilder, mit denen du dich vergleichst, sind nicht echt. In der Befragung von Saferinternet.at posteten 61 Prozent der Jugendlichen Fotos oder Videos von sich. 54 Prozent nutzten Licht, Posen oder bestimmte Handywinkel, um gut auszusehen, und 41 Prozent bearbeiteten ihre Bilder, zum Beispiel mit Filtern. 63 Prozent wünschten sich, dass bearbeitete Bilder gekennzeichnet werden [3].

Junge Frau um die achtzehn legt ihr Handy umgedreht auf die Fensterbank und schaut nach draußen
Bild: KI-generiert

Das BIÖG nennt es eine Gefahr, die digitale Welt für real zu halten. Wenn Selbstoptimierung zum Zwang wird, kann daraus eine Essstörung entstehen. Wer ohnehin einen geringen Selbstwert hat, ist für solche Einflüsse anfälliger. Soziale Medien können aber auch helfen, etwa wenn sich Menschen dort gegenseitig unterstützen [2]. Die Jugendlichen in den Gesprächsrunden von Saferinternet.at nannten einen "Reality Check": rausgehen und schauen, wie Menschen wirklich aussehen [3].

Jungen und der Wunsch nach Muskeln

In der österreichischen Befragung legten 40 Prozent der Jungen Wert darauf, sich sexy darzustellen, bei den Mädchen waren es 27 Prozent [3]. Bei Jungen geht es oft weniger ums Dünnsein. Laut BIÖG streben betroffene Jungen eher einen muskulösen Körper an und fallen deshalb selten durch Magerkeit auf. Eine Essstörung wird bei ihnen häufig nicht oder erst spät erkannt [8].

Eine besondere Form ist die Muskelsucht, in der Fachsprache Muskeldysmorphie. Betroffene finden sich zu schmächtig, obwohl sie schon sehr muskulös sind. Sie treiben übermäßig Sport und vernachlässigen Freundschaften und Familie. Häufig steckt ein geringer Selbstwert dahinter, und Anerkennung soll über einen perfekten Körper kommen [9]. Schätzungen zufolge betrifft die Muskelsucht etwa ein Prozent der Bevölkerung [8]. Sie ist als Krankheit anerkannt und muss professionell behandelt werden [9].

Was dir helfen kann

Ein Weg, den Forschende direkt geprüft haben, ist weniger Zeit in sozialen Netzwerken. In der Studie von Helen Thai und Kollegen besserte sich die Sicht auf Aussehen und Gewicht schon nach drei Wochen mit etwa halbierter Nutzung, bei jungen Frauen und Männern ohne erkennbaren Unterschied (rund drei Viertel der Teilnehmenden waren Frauen). Die Teilnehmenden waren allerdings Studierende mit Angst- oder Depressionsbeschwerden, und die Forschenden nennen ihre Studie selbst einen ersten Nachweis [5]. Auch die Jugendlichen in der Befragung von Saferinternet.at hielten weniger Zeit online (63 Prozent), Social-Media-Pausen (60 Prozent) und das gezielte Folgen von Inhalten, die guttun (60 Prozent), für hilfreich. In den Gesprächsrunden gaben sie aber zu, dass ihnen das wegen der Sogwirkung der Apps oft schwerfällt [3].

Drei junge Leute zwischen achtzehn und zwanzig tanzen in einem hellen Tanzstudio und lachen
Bild: KI-generiert

Programme für ein besseres Körperbild haben Jameela Alleva und Kollegen 2015 in einer Übersicht ausgewertet. Geholfen hat vor allem, zu lernen, wie ein negatives Körperbild entsteht, und belastende Gedanken über den eigenen Körper zu erkennen und zu hinterfragen. Abwertende Sätze über den eigenen Körper zu ändern, wirkte ebenfalls. Medienkritik brachte keinen messbaren Erfolg. Übungen, die nur den allgemeinen Selbstwert stärken sollten, und Gespräche über Fitness schnitten sogar schlechter ab. Die Wirkung ließ nach einigen Wochen nach, Langzeitdaten über drei Monate hinaus gibt es nicht [7]. Wie du deinen Selbstwert auf anderen Wegen stärken kannst, steht im Ratgeber Selbstwert stärken als Teenager.

Freunde spielen eine Rolle. 59 Prozent der befragten Jugendlichen fanden es hilfreich, sich im Freundeskreis Komplimente zum Aussehen zu machen [3]. Wenn du Inhalte siehst, die Hungern oder andere Formen der Selbstgefährdung verherrlichen, kannst du sie bei jugendschutz.net melden. Dort gibt es im Meldeformular eine eigene Kategorie für Selbstgefährdung [10]. Mehr darüber, wie soziale Netzwerke auf die Psyche wirken, liest du im Ratgeber Social Media und Psyche. Für Erwachsene gibt es auf ernaehrung.check-dich-selbst.de den Ratgeber Körperbild: Wie wir unseren Körper sehen.

Wann aus Unzufriedenheit mehr wird

Die KiGGS-Studie des Robert Koch-Instituts hat bei 11- bis 17-Jährigen untersucht, was das Risiko für Symptome einer Essstörung erhöht. Neben emotionalen Problemen und wenig Zusammenhalt in der Familie gehörte dazu, den eigenen Körper als zu dick oder zu dünn wahrzunehmen [11]. Laut BIÖG sind Warnzeichen unter anderem eine starke Unzufriedenheit mit dem Körper, ein Selbstwert, der vor allem vom Aussehen abhängt, ständige Diäten, Essanfälle, übertriebener Sport und der Rückzug von Freunden und Hobbys. Einzelne Anzeichen sind noch keine Diagnose, ein fachlicher Rat lohnt sich aber [12].

Anonym beraten lassen kannst du dich bei der Telefonberatung Essstörungen des BIÖG. Sie ist auch für Menschen mit ersten Anzeichen und für Freundinnen und Freunde da, und die Fachleute dort stehen unter Schweigepflicht [13]. Nummer und Zeiten stehen auf unserer Seite Hilfe finden. Über alles reden kannst du anonym und kostenlos mit der Nummer gegen Kummer unter 116 111, Montag bis Samstag von 14 bis 20 Uhr. Für eine Beratung brauchst du nicht unbedingt deine Eltern. Kinder und Jugendliche haben nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz Anspruch auf Beratung ohne Kenntnis der Eltern, solange die Mitteilung an die Eltern den Zweck der Beratung vereiteln würde [14].

  1. Behörde Glossar: Körperbildstörung. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), essstoerungen.bioeg.de. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
  2. Behörde Ursachen und Auslöser von Essstörungen. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), essstoerungen.bioeg.de. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
  3. Studie Schönheitsideale im Internet setzen Jugendliche immer stärker unter Druck (Presseinformation zur Jugendstudie "Schönheitsideale im Internet", Institut für Jugendkulturforschung im Auftrag von ÖIAT und ISPA). Saferinternet.at. Stand 05.02.2024. abgerufen am 28.10.2026
  4. Studie de Valle MK, Gallego-García M, Williamson P, Wade TD: Social media, body image, and the question of causation: Meta-analyses of experimental and longitudinal evidence. Body Image 39, 276 bis 292. Elsevier. Stand 2021. abgerufen am 28.10.2026
  5. Studie Thai H, Davis CG, Mahboob W, Perry S, Adams A, Goldfield GS: Reducing social media use improves appearance and weight esteem in youth with emotional distress. Psychology of Popular Media 13(1), 162 bis 169 (Pressemitteilung über EurekAlert). American Psychological Association. Stand 23.02.2023. abgerufen am 28.10.2026
  6. Studie Valkenburg P, Beyens I, Pouwels JL, van Driel II, Keijsers L: Social media use and adolescents' self-esteem: Heading for a person-specific media effects paradigm. Journal of Communication 71(1), 56 bis 78. Oxford University Press. Stand 2021. abgerufen am 28.10.2026
  7. Studie Alleva JM, Sheeran P, Webb TL, Martijn C, Miles E: A meta-analytic review of stand-alone interventions to improve body image. PLoS ONE 10(9), e0139177. Public Library of Science. Stand 2015. abgerufen am 28.10.2026
  8. Behörde Wie bedeutsam ist das Geschlecht?. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), essstoerungen.bioeg.de. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
  9. Behörde Glossar: Muskelsucht. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), essstoerungen.bioeg.de. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
  10. Behörde Verstoß melden. jugendschutz.net (LPR-Trägergesellschaft für jugendschutz.net gGmbH). Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
  11. Studie Cohrdes C, Göbel K, Schlack R, Hölling H: Essstörungssymptome bei Kindern und Jugendlichen: Häufigkeiten und Risikofaktoren. Ergebnisse aus KiGGS Welle 2 und Trends. Bundesgesundheitsblatt 62(10), 1195 bis 1204. Robert Koch-Institut, Springer. Stand 2019. abgerufen am 28.10.2026
  12. Behörde Was sind mögliche Krankheitszeichen?. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), essstoerungen.bioeg.de. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
  13. Behörde Telefonberatung. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), essstoerungen.bioeg.de. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
  14. Gesetz Sozialgesetzbuch Achtes Buch (SGB VIII), § 8 Beteiligung von Kindern und Jugendlichen, Abs. 3. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026

Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.

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