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ADHS bei Jugendlichen: Woran du es merkst und was hilft

ADHS bei Jugendlichen zeigt sich oft weniger als Zappeligkeit und mehr als innere Unruhe, Konzentrationsprobleme und vorschnelles Handeln. Ob es wirklich ADHS ist, können nur Fachleute nach ausführlichen Gesprächen und einer Untersuchung sagen. Hilfe gibt es auch ohne Medikamente, etwa durch Aufklärung, Training für Organisation und Selbstkontrolle und Unterstützung in Familie und Schule.

ADHS bei Jugendlichen sieht oft anders aus als bei kleinen Kindern. Statt durchs Klassenzimmer zu laufen, sitzt du vielleicht still da und bist innerlich trotzdem total unruhig. Oder du merkst, dass du Hausaufgaben immer wieder vergisst, obwohl du dir fest vorgenommen hast, sie zu machen. Hier erfährst du, was ADHS ist, wie es sich in der Pubertät verändert, wer es feststellen darf und welche Hilfen es gibt. Wenn du deine Erfahrungen erst einmal sortieren willst, probier den ADHS-Selbsttest für Jugendliche. Er ersetzt keine Untersuchung, kann dir aber ein Gespräch erleichtern.

Was ADHS ist

ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Nach der S3-Leitlinie der Fachgesellschaften, deren aktualisierte Fassung 2026 erschienen ist, gehört ADHS zu den häufigsten psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter. Die Leitlinie nennt drei Kernsymptome: Probleme mit der Aufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität, also starke Unruhe. Von einer Störung sprechen Fachleute erst, wenn diese Merkmale für dein Alter ungewöhnlich stark sind, in verschiedenen Situationen auftreten und dir deutlich zu schaffen machen, zum Beispiel in der Schule oder mit anderen Menschen. ADHS beginnt typischerweise in der Kindheit und bleibt bei vielen bis ins Erwachsenenalter bestehen [1].

Impulsivität heißt zum Beispiel, dass du handelst, ohne vorher zu überlegen, mit Antworten herausplatzt oder andere unterbrichst [3]. Fast jeder kennt solche Momente. Bei ADHS kommen sie aber viel öfter vor und machen den Alltag spürbar schwerer.

Woher ADHS kommt, ist noch nicht vollständig erforscht. Fachleute gehen von einem Zusammenspiel aus Veranlagung und äußeren Einflüssen aus [2]. Die Leitlinie spricht von mehreren Faktoren, zu denen die Gene und Einflüsse vor, während und kurz nach der Geburt gehören [1]. Die Ernährung spielt laut dem Gesundheitsportal des Bundes, wenn überhaupt, nur eine geringe Rolle. Das Portal betont außerdem, dass das Verhalten bei ADHS keine Absicht ist [2].

Wie häufig ADHS bei Jugendlichen ist

Die Zahlen schwanken, je nachdem, wie gemessen wird. In Deutschland fand die KiGGS-Studie bei Kindern und Jugendlichen von 3 bis 17 Jahren eine Häufigkeit von 4,4 Prozent. Eine weltweite Auswertung von 588 Studien kommt auf 8,0 Prozent, wobei Jungen etwa doppelt so oft betroffen sind wie Mädchen [1]. Das zentrale adhs-netz der Uniklinik Köln spricht von etwa 2 bis 6 von 100 Jugendlichen in Deutschland [3]. In einer Klasse mit 25 bis 30 Schülerinnen und Schülern sind also im Schnitt ein oder zwei betroffen.

Wie sich ADHS in der Pubertät verändert

Viele Jugendliche mit ADHS sind weniger zappelig als früher. Dafür leiden sie oft unter innerer Unruhe und Anspannung [3]. Auch das Gesundheitsportal des Bundes beschreibt, dass ältere Jugendliche oft weniger hyperaktiv sind, aber häufig eine innere Rastlosigkeit spüren [2]. Die körperliche Unruhe nimmt bei vielen ab, und auch die Impulsivität kann nachlassen. Probleme mit Konzentration und Aufmerksamkeit bleiben eher bestehen. Als Grund vermutet das zentrale adhs-netz vor allem die körperlichen und hormonellen Umstellungen in der Pubertät [3]. Die Leitlinie weist Fachleute ausdrücklich darauf hin, dass im Jugendalter vor allem die Hyperaktivität oft nachlässt [1].

Gleichzeitig wird das Leben in diesem Alter komplizierter. Du festigst deinen Freundeskreis, hast vielleicht erste Beziehungen, löst dich ein Stück von deinen Eltern und findest heraus, wer du bist. Mit ADHS fallen diese Schritte oft schwerer [3].

Was ADHS im Alltag schwer machen kann

Am deutlichsten merken es viele in der Schule. Laut zentralem adhs-netz haben Jugendliche mit ADHS deutlich häufiger Schulprobleme, obwohl sie nicht weniger intelligent sind als andere. Manche haben zusätzlich Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben oder Rechnen. Beim Wechsel an eine weiterführende Schule werden die Probleme oft stärker [3].

Auch mit anderen läuft es nicht immer leicht. Viele Betroffene werden von Gleichaltrigen ausgegrenzt und landen in einer Außenseiterrolle. Häufig kommen Streit mit Eltern und Lehrkräften dazu. Viele Jugendliche mit ADHS sind unsicher und trauen sich wenig zu, besonders bei schulischen Leistungen. Bei manchen entwickeln sich depressive Beschwerden [3]. Laut Leitlinie fangen Jugendliche mit ADHS außerdem früher mit dem Rauchen an und rauchen mehr als Gleichaltrige [1].

Solche Probleme sind ein guter Grund, dir Hilfe zu suchen. Die meisten Betroffenen können mit passender Unterstützung eine ganz normale Schule besuchen [3].

Wie ADHS festgestellt wird

Ob du ADHS hast, kann kein Online-Test und keine Freundin entscheiden. Nach der Leitlinie sollte die Diagnose bei Kindern und Jugendlichen von Fachleuten mit Erfahrung in der ADHS-Diagnostik gestellt werden: von Fachärztinnen und Fachärzten für Kinder- und Jugendpsychiatrie, von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten für Kinder und Jugendliche oder von Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzten [1].

Die Diagnose beruht auf mehreren Bausteinen. Dazu gehört ein ausführliches Gespräch mit dir und, vor allem bei Jugendlichen, mit deinen Eltern. Wenn möglich, werden auch Lehrkräfte einbezogen, etwa über Berichte und Zeugnisse. Dazu kommen die Beobachtung in der Untersuchung und eine körperliche und neurologische Untersuchung [1]. Wie du selbst die Probleme erlebst, soll dabei ausdrücklich berücksichtigt werden [1]. Fragebögen können ergänzend eingesetzt werden [1].

Die Schwierigkeiten müssen in mehreren Lebensbereichen auftreten. Zeigen sie sich nur in der Schule oder nur zu Hause, kann das laut Leitlinie ein Hinweis auf etwas anderes sein [1]. Deshalb prüfen Fachleute auch andere Ursachen, zum Beispiel Schlafstörungen, Sehfehler oder Schwerhörigkeit [2]. Auch Probleme in der Familie, Mobbing oder Missbrauch können einzelne Merkmale hervorrufen, die nach ADHS aussehen [1]. Wenn du dich vor allem in der Schule schlecht konzentrieren kannst, lohnt sich ein Blick auf den Konzentrations-Check, der auch nach Schlaf fragt.

Was bei ADHS hilft

Am Anfang jeder Behandlung steht eine gründliche Aufklärung, die Fachleute Psychoedukation nennen. Du und deine Familie erfahrt, was ADHS ist, woher es kommen kann und welche Hilfen es gibt. Dabei geht es ausdrücklich auch um deine Stärken. Die Leitlinie nennt als Beispiele sportliche Fähigkeiten, Kreativität, Spontanität und Offenheit im Umgang mit anderen [1]. Wie es danach weitergeht, hängt davon ab, wie stark die ADHS ist.

Zwei junge Männer um die achtzehn spielen auf einem sonnigen Schulhof konzentriert und fröhlich Tischtennis
Bild: KI-generiert
Schweregrad oder BausteinWas die Leitlinie oder das Fachportal sagtBeleg
Leichte ADHSnach der Aufklärung vor allem psychosoziale Hilfen, also Unterstützung durch Gespräche, Training und Beratung[1]
Mittelgradige ADHSpsychosoziale Hilfen, Medikamente oder beides, je nach Lage, Wünschen und Angeboten vor Ort[1]
Schwere ADHSin erster Linie Medikamente, meist zusammen mit psychosozialen Hilfen[1]
Hilfen für dich selbstbei Jugendlichen empfohlen, auch ohne Elterntraining möglich; Ziele sind unter anderem Organisation, Problemlösen, Selbstkontrolle, Zuhören und der Umgang mit Gefühlen[1]
Familiebei Jugendlichen vor allem Angebote, die Streit zwischen Eltern und Jugendlichen verringern[1]
Schulebei ausgeprägten Problemen im Unterricht Training oder Beratung für Lehrkräfte, dazu klare Regeln und Abläufe in der Klasse[1]
Sport und Bewegungsollte Kindern und Jugendlichen passend zu ihren Voraussetzungen angeboten werden[1]

Viele Jugendliche kommen mit gezielten Hilfen ohne Medikamente aus. Wenn die Beschwerden sehr stark sind und andere Hilfen nicht ausreichen, sind sie laut zentralem adhs-netz in der Regel notwendig. Ob ein Medikament wirkt, muss bei jedem einzeln geprüft werden [3]. Darüber entscheidest du zusammen mit deinen Eltern und den Fachleuten.

Neu in der Leitlinie von 2026 ist ein Abschnitt zu Vorurteilen. Fachleute sollen danach fragen, ob du wegen ADHS abgewertet wirst, und dir helfen, mit solchen Urteilen umzugehen [1]. Wenn dich Sprüche wie "Du bist halt faul" belasten, kannst du das in der Behandlung also offen ansprechen.

Wer als Jugendlicher in Behandlung ist, soll beim Übergang ins Erwachsenenalter noch einmal gründlich untersucht werden. So lässt sich klären, ob und wie die Behandlung bei Fachleuten für Erwachsene weitergeht [1].

Was du selbst tun kannst

Auch ohne Diagnose kannst du einiges ausprobieren. Laut Gesundheitsportal des Bundes haben sich feste Abläufe und klare Regeln im Alltag als hilfreich erwiesen [2]. Das zentrale adhs-netz beschreibt für Jugendliche eine Strategie in kleinen Schritten [5]. Du beschreibst ein Problem so genau wie möglich. "Ich trödle bei den Hausaufgaben in Mathe" hilft dir mehr als "Ich bin chaotisch". Dann überlegst du, was dafür und was dagegen spricht, etwas zu ändern. Die Entscheidung triffst du selbst. Danach setzt du dir ein klares Ziel, teilst es in kleine Zwischenziele und schreibst dir Merkzettel als Erinnerung. Notier jeden Tag, wie gut es geklappt hat, und belohn dich für erreichte Zwischenziele. Rückschläge gehören dazu. Wenn es an einem Tag nicht klappt, versuchst du es am nächsten wieder [5].

Junger Mann um die neunzehn ordnet am Schreibtisch bunte leere Klebezettel an einer Pinnwand für seine Woche
Bild: KI-generiert

Bewegung kann ebenfalls helfen. Laut zentralem adhs-netz zeigen Studien, dass Sport für Jugendliche mit ADHS sehr hilfreich sein kann, weil du Energie loswirst und dabei deine Konzentration trainierst [5]. Manchen hilft auch der Austausch in einer Selbsthilfegruppe. Zu hören, wie andere mit ähnlichen Problemen umgehen, kann entlasten [5]. Wenn dich vor allem das Abschweifen stört, zeigt dir der Aufmerksamkeits-Check, in welchen Situationen es am stärksten ist. Um Bewegungsdrang und innere Unruhe geht es im Hyperaktivitäts-Check, um vorschnelles Handeln im Impulsivitäts-Test.

Wo du Hilfe bekommst

Ansprechpartner sind zuerst die Menschen, die dich kennen: deine Eltern, Freundinnen und Freunde. Das zentrale adhs-netz nennt außerdem Lehrkräfte, Vertrauenslehrer und die Schulpsychologie. Sie kennen sich oft gut mit ADHS aus und haben Tipps für die Schule. Deine Kinder- oder Hausarztpraxis weiß häufig, welche Fachleute in deiner Nähe sich mit ADHS auskennen. Auch deine Krankenkasse hat meist eine Liste von Ärztinnen, Ärzten und Psychologen in deiner Umgebung [4].

Junge Frau um die achtzehn spricht in einem hellen Beratungsraum im Sessel mit einem Psychologen
Bild: KI-generiert

Vielleicht möchtest du zuerst mit jemandem reden, ohne dass deine Eltern davon wissen. Das ist erlaubt. Nach dem Sozialgesetzbuch haben Kinder und Jugendliche Anspruch auf Beratung ohne Wissen der Eltern, solange der Zweck der Beratung scheitern würde, wenn die Eltern davon erfahren. Das gilt für das Jugendamt und für Beratungsstellen freier Träger [6]. Für eine Diagnose werden die Eltern später aber meist einbezogen, weil ihre Berichte über dich für die Diagnose wichtig sind [1]. Anonym reden kannst du bei der Nummer gegen Kummer unter 116 111, Montag bis Samstag von 14 bis 20 Uhr. Weitere Angebote, auch zum Schreiben, findest du auf der Seite Hilfe finden.

  1. Leitlinie Interdisziplinäre evidenz- und konsensbasierte S3-Leitlinie Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter, Version 2.0, Langfassung (AWMF-Register-Nr. 028-045). AWMF; Koordination Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim. Stand 2026. abgerufen am 28.10.2026
  2. Behörde ADHS. gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit, in Zusammenarbeit mit dem IQWiG. Stand 21.10.2022. abgerufen am 28.10.2026
  3. Organisation Für Jugendliche: Infos zu ADHS. zentrales adhs-netz, Universitätsklinikum Köln. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
  4. Organisation Für Jugendliche: Wie finde ich Hilfen und Ansprechpartner?. zentrales adhs-netz, Universitätsklinikum Köln. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
  5. Organisation Für Jugendliche: Selbsthilfe. zentrales adhs-netz, Universitätsklinikum Köln. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
  6. Gesetz Achtes Buch Sozialgesetzbuch (SGB VIII), § 8 Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026

Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.

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