Ratgeber
Bildschirmzeit für Jugendliche: Wie viel ist okay?
Für Jugendliche von 12 bis 16 Jahren empfiehlt die deutsche Leitlinie der Kinder- und Jugendmedizin in der Freizeit höchstens ein bis zwei Stunden Bildschirmzeit am Tag, bis spätestens 21 Uhr. Für 16- bis 18-Jährige nennt sie zwei Stunden als Orientierung. Wichtiger als die genaue Minutenzahl ist, ob Schlaf, Schule und Freundschaften unter der Nutzung leiden.
Wie viel Bildschirmzeit für Jugendliche okay ist, dazu gibt es in Deutschland eine Leitlinie von Fachgesellschaften der Kinder- und Jugendmedizin. Für 12- bis 16-Jährige nennt sie in der Freizeit höchstens ein bis zwei Stunden am Tag, und das bis spätestens 21 Uhr [1]. Die meisten Jugendlichen liegen deutlich darüber. Die Zahl ist trotzdem nur ein Teil der Antwort. Genauso wichtig ist, was der Bildschirm in deinem Alltag verdrängt. Wie viel Raum Handy, Konsole und Serien bei dir einnehmen, kannst du mit dem Medienkonsum-Check einschätzen.
Was die Leitlinie empfiehlt
2023 haben die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, die Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie und weitere Fachgesellschaften eine gemeinsame Leitlinie veröffentlicht. Sie soll verhindern, dass Kinder und Jugendliche Bildschirme so nutzen, dass sie es nicht mehr gut steuern können. Nach einer Überprüfung gilt sie bis Juli 2028. Die Empfehlungen richten sich an Eltern und an Ärztinnen und Ärzte. Ihr Grundsatz lautet: Für Kinder und Jugendliche gilt im Allgemeinen, je weniger Bildschirmzeit, desto besser [1].
| Alter | Was die Leitlinie für die Freizeit vorschlägt | Beleg |
|---|---|---|
| 9 bis 12 Jahre | Höchstens 45 bis 60 Minuten am Tag. Ein eigenes Smartphone frühestens ab 9, besser frühestens ab 12 Jahren, mit eingeschränktem Internetzugang. | [1] |
| 12 bis 16 Jahre | Höchstens 1 bis 2 Stunden am Tag, bis spätestens 21 Uhr. Nur beschränkter Internetzugang, regelmäßige Gespräche über Medienzeit und Inhalte. | [1] |
| 16 bis 18 Jahre | Regeln je nach Reife, zum Beispiel am Abend vor einer Klausur. Orientierungswert 2 Stunden am Tag. Uneingeschränkter Internetzugang ab 16. | [1] |
| Alle Altersgruppen | Keine Bildschirme in der letzten Stunde vor dem Schlafengehen, beim Schlafen keine mobilen Geräte im Zimmer, keine Bildschirme beim Essen. | [1] |
Die Zahlen sind Höchstwerte für die Freizeit. Schulaufgaben am Laptop gehören nicht dazu. Die Leitlinie schreibt außerdem, dass Eltern mit dem Älterwerden ihrer Kinder von festen Vorgaben zu gemeinsamen Gesprächen übergehen sollen. In Einzelfällen sollen andere Maßstäbe gelten, besonders wenn du Bildschirme kreativ nutzt, zum Lernen oder für etwas, das dich persönlich weiterbringt [1]. Ein Referat am Laptop oder ein Programmierkurs fällt also unter eine andere Regel als Videos am späten Abend.
Die Leitlinie hat die Stufe S2k. Das heißt: Die beteiligten Fachleute haben ihre Empfehlungen gemeinsam abgestimmt, und sie stützen sich nur teilweise auf Studien [1]. Eine Grenze, ab der Bildschirmzeit nachweislich schadet, legt sie nicht fest.
Wie viel Zeit Jugendliche wirklich am Bildschirm verbringen
Für die JIM-Studie 2025 wurden 1.200 Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren befragt. Im Schnitt lag ihre Bildschirmzeit am Smartphone bei knapp vier Stunden am Tag. Bei den 12- und 13-Jährigen waren es unter drei Stunden, bei den 18- und 19-Jährigen über viereinhalb. Zwei Drittel (68 Prozent) fällt es schwer, die eigene Bildschirmzeit zu regulieren. Zwei Drittel genießen Zeiten ohne Smartphone und Internet, aber nur etwas mehr als ein Drittel schaltet das Gerät regelmäßig aus, um Zeit für sich zu haben [2]. In diesen Zahlen steckt nur das Smartphone. Konsole, Laptop und Fernseher kommen noch dazu.
Die DAK-Gesundheit untersucht zusammen mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf seit 2019 Kinder und Jugendliche über mehrere Jahre und misst dabei die Zeit für einzelne Angebote. 2024 verbrachten 10- bis 17-Jährige an einem Werktag im Schnitt 157 Minuten in sozialen Medien und 105 Minuten mit digitalen Spielen. Für Streaming nennt die Studie zuletzt 93 Minuten [3]. In der Befragung im Herbst 2025 nutzten 21,5 Prozent soziale Medien riskant und 6,6 Prozent pathologisch, also krankhaft. Bei Streams und Kurzvideos war es jede oder jeder Fünfte, die oder der riskant nutzte, 4 Prozent erfüllten die Kriterien einer Sucht [4].
Warum die Uhr nicht alles sagt
Die Leitlinie betont, dass nicht allein die Zeit zählt. Entscheidend ist auch, welche Rolle Bildschirme in der Familie spielen und wie sie genutzt werden [1]. Sie nennt Warnzeichen, die schon einzeln auf eine schlecht gesteuerte Nutzung hinweisen können:
- Es fällt dir schwer, mit dem Handy, der Konsole oder der Serie aufzuhören.
- Bildschirme sind das Einzige, was dich noch motiviert, und du denkst ständig daran.
- Du bist frustriert, wenn du sie nicht nutzen kannst, und willst immer mehr Zeit damit verbringen.
- Du nutzt sie heimlich, oder es gibt deswegen Streit in der Familie.
- Nach einem schlechten Tag scheint nur der Bildschirm zu helfen, damit es dir besser geht.
- Konzentrationsprobleme, Schlafmangel oder Fehltage gefährden deine Leistungen in der Schule [1].
Für Videospiele schreibt das Präventionsportal "Ins Netz gehen" des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), dass es keine eindeutige Zeitgrenze gibt. Problematisch kann es werden, wenn das Spielen wichtiger wird als Freunde, Familie, Schule oder Hobbys. Die Grenze verläuft fließend und fällt oft nicht sofort auf [9]. Wie viele dieser Zeichen auf dich zutreffen, sagt mehr als die Zahl in der Bildschirmzeit-Anzeige.
Bildschirm am Abend und dein Schlaf
Am deutlichsten zeigt sich der Preis von viel Bildschirmzeit beim Schlaf. Laut Leitlinie belegen mehrere Studien, dass mehr digitale Mediennutzung das Risiko für Schlafstörungen erhöht. Als Gründe werden genannt, dass Bildschirmzeit Schlafzeit ersetzt, dass Inhalte aufwühlen und dass das Licht der Geräte wirkt. Bei Jugendlichen hängt die Nutzung vor dem Schlafengehen außerdem mit depressiven Beschwerden zusammen [1]. Die WHO Europa berichtet, dass Jugendliche mit problematischer Nutzung sozialer Medien weniger schlafen und später ins Bett gehen [10].

In der JIM-Studie sagten rund 30 Prozent der Jugendlichen, dass sie morgens oft müde sind, weil sie das Handy nachts zu spät weglegen [2]. Die Leitlinie empfiehlt deshalb, in der letzten Stunde vor dem Schlafengehen keine Bildschirme zu nutzen und mobile Geräte beim Schlafen aus dem Zimmer zu lassen [1]. Der oberste Gesundheitsbeamte der USA, der Surgeon General, rät Jugendlichen in einer Empfehlung von 2023 ebenso, Handy, Tablet und Computer mindestens eine Stunde vor dem Schlafen und über Nacht wegzulegen [6]. Wie stark das Handy deine Nächte beeinflusst, prüfst du mit dem Handy-in-der-Nacht-Check. Was das Licht und das Scrollen im Bett mit dem Schlaf machen, erklärt der Ratgeber Handy im Bett auf schlaf.check-dich-selbst.de.
Eigene Regeln finden
Feste Minutenzahlen klingen streng. Die Leitlinie schlägt einen Weg vor, bei dem du mitredest: Regeln zur Nutzungsdauer sollen in der Familie gemeinsam schriftlich vereinbart und gemeinsam umgesetzt werden. Bewusste Ausnahmen, etwa für einen Filmabend, dürfen sein und werden ebenfalls aufgeschrieben. Bevor Kinder ein internetfähiges Handy bekommen, empfiehlt sie einen "Handynutzungsvertrag", den sie mit aushandeln [1]. Solche Abmachungen gelten dann für alle, auch für die Erwachsenen, die laut Leitlinie ein Vorbild sein sollen [1].

Die Leitlinie regt Jugendliche außerdem an, selbst zu beobachten, wie sich ihr Medienkonsum auf Konzentration, Freundschaften, Fitness und Schulnoten auswirkt [1]. Ein paar Tage lang aufzuschreiben, wann du zum Handy greifst und wie es dir danach geht, ist ein einfacher Anfang. Weitere Empfehlungen der Leitlinie: Bildschirme bei den Hausaufgaben nur für die Aufgabe selbst nutzen, beim Essen weglassen, die Zeit morgens vor der Schule möglichst ohne Bildschirm verbringen und Geräte wegräumen, wenn du sie nicht brauchst [1].
"Ins Netz gehen" hat Tipps für Jugendliche, die weniger Zeit am Bildschirm verbringen wollen. Leg für bestimmte Apps oder Spiele ein Zeitlimit fest und nutze die Bildschirmzeit-Funktion deines Handys. Apps, die dich viele Stunden kosten, kannst du eine Weile löschen oder sperren. Das Passwort für die Sperre legt dann am besten eine Vertrauensperson fest. Stell den Computer an einen unbequemen Ort und lass das Handy öfter in einem anderen Raum. Plane Dinge ein, die dir Spaß machen, zum Beispiel einen Verein oder Treffen mit Freunden. Und fang klein an: Am ersten Tag reicht vielleicht eine halbe Stunde weniger, ein bis zwei Wochen später klappt vielleicht ein ganzer Tag ohne Geräte [5].
Wann du dir Hilfe holen solltest
Manchmal klappt es trotz guter Vorsätze nicht. Wenn du immer wieder an deinen eigenen Regeln scheiterst, Schule und Freunde leiden oder du kaum noch schläfst, ist das ein Grund, mit jemandem zu reden. Die Leitlinie rät bei übermäßiger Nutzung, einen anerkannten Selbsttest zu machen und früh professionelle Hilfe zu suchen [1]. Unsere Checks sind eigene Checks und keine validierten Fragebögen. Sie zeigen dir aber, wo du genauer hinschauen solltest. Für soziale Netzwerke gibt es den Social-Media-Test, fürs Zocken den Ratgeber Gaming-Sucht.
Die Nummer gegen Kummer erreichst du unter 116 111, Montag bis Samstag von 14 bis 20 Uhr. Wenn du lieber schreibst, beraten dich Fachleute bei JugendNotmail online, rund um die Uhr und kostenlos. Alle Nummern stehen auf der Seite Hilfe finden. Du kannst dich auch ohne deine Eltern beraten lassen: Kinder und Jugendliche haben nach dem Sozialgesetzbuch Anspruch auf Beratung ohne Wissen der Eltern, solange eine Mitteilung an die Eltern den Zweck der Beratung vereiteln würde [8].
- Leitlinie zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in Kindheit und Jugend, S2k-Leitlinie, AWMF-Reg.-Nr. 027-075, Version 1.0 (gültig bis 14.07.2028). Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht) u. a.. Stand 15.07.2023. abgerufen am 28.10.2026
- Studie JIM-Studie 2025 veröffentlicht (Pressemitteilung 4/2025). Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs). Stand 12.11.2025. abgerufen am 28.10.2026
- Studie DAK-Suchtstudie: Millionen Kinder haben Probleme durch Medienkonsum (Längsschnittstudie mit dem UKE). DAK-Gesundheit. Stand 12.03.2025. abgerufen am 28.10.2026
- Studie DAK-Suchtstudie untersucht Jugendtrend: KI-Chatbots erhöhen riskanten Medienkonsum (Längsschnittstudie mit dem UKE). DAK-Gesundheit. Stand 24.03.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Handynutzung und Mediennutzung reduzieren: 7 Tipps. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Ins Netz gehen. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Social Media and Youth Mental Health: The U.S. Surgeon General's Advisory. U.S. Department of Health and Human Services, Office of the Surgeon General. Stand 2023. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Online-Beratung für Jugendliche. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Ins Netz gehen. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
- Gesetz Achtes Buch Sozialgesetzbuch (SGB VIII), § 8 Beteiligung von Kindern und Jugendlichen, Absatz 3. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Wie viel Gaming ist gesund? Anzeichen einer Sucht. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Ins Netz gehen. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Teens, screens and mental health (HBSC-Studie 2021/2022). WHO-Regionalbüro für Europa. Stand 25.09.2024. abgerufen am 28.10.2026
Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.
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