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Mobbing in der Schule: Woran du es erkennst und was hilft

Mobbing in der Schule heißt, dass dich jemand absichtlich und über längere Zeit immer wieder angreift oder ausgrenzt und du dich kaum wehren kannst. Schreib jeden Vorfall auf, such dir Verbündete und wende dich an die Klassenleitung oder die Vertrauenslehrkraft, danach an die Schulleitung. Anonym reden kannst du bei der Nummer gegen Kummer unter 116 111.

Mobbing in der Schule kann jeden treffen. Manchmal fängt es klein an, mit einem Spitznamen, einem Lachen, wenn du etwas sagst, oder einem Platz, der auf einmal besetzt ist. Wenn das jeden Tag so geht, fühlt sich Schule irgendwann wie ein Ort an, an dem du nur noch durchhalten willst. Auf dieser Seite steht, woran du Mobbing erkennst, was du selbst tun kannst, welchen Weg du in der Schule gehen kannst und wo du Hilfe außerhalb der Schule findest. Ob das, was dir passiert, schon Mobbing ist, kannst du mit dem Mobbing-Check einordnen.

Woran du Mobbing erkennst

Die Antimobbingbeauftragte für die Berliner Schulen beschreibt Mobbing als absichtliche, gezielte und wiederholte Angriffe auf eine Person oder eine Gruppe über einen längeren Zeitraum. Sie nennt drei Merkmale: Jemand will schaden, es gibt ein Machtungleichgewicht, und die Angriffe wiederholen sich über längere Zeit [1]. Machtungleichgewicht heißt, dass du dich allein kaum aus der Situation befreien kannst [2].

Nicht jeder Streit ist Mobbing. Wenn zwei etwa gleich starke Leute aneinandergeraten und sich danach wieder vertragen, ist das ein Konflikt. Die Berliner Stelle betont aber, dass Vorfälle auch dann ernst genommen werden sollen, wenn nicht alle Merkmale zutreffen [1]. Du musst also nicht beweisen, dass es "richtiges" Mobbing ist, bevor du dir Hilfe holst.

FormBeispieleBeleg
KörperlichSchlagen, Stoßen, Sachen kaputt machen[1]
VerbalBeleidigungen, Drohungen, Gerüchte[1]
Ausgrenzengezielt aus der Gruppe ausschließen[1]
CybermobbingAngriffe über Handy, Chats und soziale Netzwerke, die dich jederzeit erreichen[1]

Was im Klassenchat passiert, gehört oft dazu. Wer online gemobbt wird, erlebt das häufig auch in der Schule [6]. Was du bei Angriffen im Netz tun kannst, steht im Ratgeber Cybermobbing: Was du tun kannst.

Du bist nicht schuld

Viele Betroffene fragen sich, was an ihnen falsch ist. Die DAK beschreibt Mobbing als systematisches Schikanieren, Ausgrenzen oder Verletzen einer Person und rät Eltern ausdrücklich, ihrem Kind keine Schuld zu geben [2]. Mobbing entsteht in einer Gruppe, in der einige angreifen, andere mitmachen und viele schweigen [2].

Junge Frau um die achtzehn wird auf dem Sofa von ihrer älteren Schwester umarmt
Bild: KI-generiert

Was du selbst tun kannst

Schreib auf, was passiert. Die Berliner Antimobbingbeauftragte empfiehlt, die Angriffe möglichst genau zu dokumentieren, etwa in einem Mobbingtagebuch [1]. Zu jedem Vorfall gehören diese Fragen [1]:

  • Wann und wo ist es passiert?
  • Wer war beteiligt, auch als Zeugin oder Zeuge?
  • Was genau ist passiert?
  • Hast du es gemeldet, und wenn ja, wann, bei wem und mit welchem Ergebnis?

Screenshots aus Chats gehören mit in die Sammlung [2]. Mit so einer Liste kann eine Lehrkraft viel mehr anfangen als mit dem Satz "Die ärgern mich immer". Außerdem siehst du selbst schwarz auf weiß, dass du dir nichts einbildest.

Rache macht es meist schlimmer. Die DAK rät Eltern, ihr Kind nicht zur Vergeltung zu drängen [2]. Klicksafe rät, sich Verbündete zu suchen, also Freundinnen, Freunde und erwachsene Vertrauenspersonen [6].

Such dir auch Orte, an denen es dir gut geht. Die DAK empfiehlt Erfolgserlebnisse außerhalb der Schule, zum Beispiel im Sport, in der Musik oder mit neuen Freundschaften [2]. Das ändert nichts an der Klasse, gibt dir aber Kraft und erinnert dich daran, dass andere dich mögen.

Der Weg in der Schule

Meist ist die Schule die wichtigste Stelle, um Mobbing zu stoppen. Die Berliner Antimobbingbeauftragte beschreibt einen Weg in Stufen [1]:

Junger Mann um die achtzehn spricht in einem hellen Schulbüro an einem runden Tisch mit einer Lehrerin
Bild: KI-generiert
  1. Zuerst wendest du dich an die Klassenleitung oder eine Vertrauenslehrkraft.
  2. Wenn das nicht hilft, gehst du zur nächsten Stelle und schließlich zur Schulleitung.
  3. Bleibt das ohne Erfolg, kann die regionale Schulaufsicht unterstützen.

Deine Eltern sollten früh und möglichst sachlich Kontakt mit der Schule aufnehmen, am besten schriftlich [1]. Du kannst sie bitten, das Vorfallprotokoll mitzunehmen.

An vielen Schulen gibt es Schulsozialarbeit. Das sind sozialpädagogische Angebote direkt an der Schule, die mit der Schule zusammenarbeiten. Was sie genau tun, regelt jedes Bundesland selbst [7].

Manche Schulen arbeiten mit dem No-Blame-Ansatz. Dabei gibt es keine Schuldzuweisungen und keine Bestrafungen. Stattdessen bildet die Schule eine Unterstützergruppe aus den Mobbenden, Mitläufern und Unbeteiligten, die gemeinsam dafür sorgen soll, dass das Mobbing aufhört. Voraussetzung ist, dass die betroffene Person zustimmt [2]. Frag ruhig nach, ob deine Schule so etwas anbietet.

Wenn die Schule nicht genug hilft, gilt ein Klassen- oder Schulwechsel laut DAK häufig als letzter Ausweg [2].

Was Programme gegen Mobbing bringen

Programme gegen Mobbing an Schulen helfen im Schnitt, aber nur in bescheidenem Maß. Hannah Gaffney, Maria Ttofi und David Farrington von der Universität Cambridge haben 100 Studien zu Programmen gegen Mobbing an Schulen ausgewertet. Im Schnitt ging das Mobben durch die Programme um etwa 18 bis 19 Prozent zurück, die Zahl der Betroffenen um etwa 15 bis 16 Prozent. Die Wirkung war insgesamt bescheiden und unterschied sich stark zwischen den Programmen. Die größte Zahl der Studien stammte aus den USA, die meisten übrigen aus Kanada und Europa [5].

Die Forschenden weisen auf eine Schwäche hin: Viele Studien beruhen auf Fragebögen, die Schülerinnen und Schüler selbst ausgefüllt haben. Ein Teil der Veränderung könnte deshalb darin liegen, wie über Mobbing berichtet wird [5]. Trotzdem lohnt es sich, in der Schule nachzufragen, ob es ein solches Programm gibt.

Wenn du zusiehst

Bei Mobbing gibt es mehr Rollen als Täter und Opfer. Die DAK beschreibt Mitläufer, die sich beteiligen, und Zuschauer, die schweigen. Viele sehen stumm zu, weil sie Angst haben, selbst zur Zielscheibe zu werden [2]. Gleichzeitig zeigen Jugendstudien, dass fast alle befragten Jugendlichen finden, man solle andere unterstützen, die sich nicht selbst wehren können [2]. Viele finden also, dass man anderen helfen sollte, auch wenn sich nicht jeder traut.

Zwei junge Frauen um die achtzehn gehen in der Pause auf eine Mitschülerin zu und laden sie ein
Bild: KI-generiert

Klicksafe beschreibt, wie Zuschauende zu Unterstützenden werden: indem sie sich einmischen, die betroffene Person unterstützen, Vorfälle festhalten, sie melden oder Erwachsene informieren [6]. Du musst dich dafür nicht vor die ganze Klasse stellen. Es reicht oft schon, in der Pause neben der betroffenen Person zu sitzen oder ihr zu schreiben, dass du das nicht in Ordnung findest.

Wenn du selbst schon mitgemacht hast

Vielleicht liest du diese Seite, weil du gemerkt hast, dass du selbst dabei warst. Das kommt vor. In der europäischen Auswertung der WHO gaben 6 Prozent der Jugendlichen an, andere in der Schule gemobbt zu haben, Jungen mit 8 Prozent häufiger als Mädchen mit 5 Prozent [4]. Die DAK schreibt außerdem, dass manche, die selbst gemobbt wurden, später andere mobben [2].

Die DAK rät Eltern in so einem Fall, das Verhalten direkt anzusprechen, ohne anzuklagen, es nicht kleinzureden und das Gespräch mit den Eltern der betroffenen Person zu suchen [2]. Du kannst diesen Schritt selbst gehen: Hör auf mitzumachen und sprich mit einer Lehrkraft oder der Schulsozialarbeit darüber, wie du es wiedergutmachen kannst.

Wie häufig Mobbing ist und was es anrichtet

In der deutschen HBSC-Studie 2022 wurden 6.475 Schülerinnen und Schüler im Alter von 11, 13 und 15 Jahren befragt. Rund 14 Prozent berichteten von direkten Erfahrungen mit Mobbing in der Schule [3]. Seit 2009/10 ist schulisches Mobbing seltener geworden, zwischen 2017/18 und 2022 blieb der Anteil gleich. Jugendliche, die sich als gender-divers bezeichnen, berichteten besonders häufig von Mobbing [3]. In der europäischen Auswertung der WHO gaben etwa 11 Prozent an, in der Schule gemobbt worden zu sein, Jungen und Mädchen ohne deutlichen Unterschied [4].

Die Folgen können schwer sein. Die DAK nennt als mögliche Anzeichen plötzliche Schulunlust, häufige Bauch- oder Kopfschmerzen und fehlende Schulsachen oder beschädigte Kleidung. Betroffene können Selbstvertrauen und gute Noten verlieren und unter Schlafstörungen, Schulangst und Konzentrationsproblemen leiden. Isolation und Einsamkeit führen nicht selten zu depressiven Episoden [2]. Wie du dich selbst gerade siehst, fragt der Selbstwert-Check ab.

Hilfe außerhalb der Schule

Wenn du erst einmal mit jemandem reden willst, der nichts mit deiner Schule zu tun hat, ruf die Nummer gegen Kummer an: 116 111, Montag bis Samstag von 14 bis 20 Uhr, kostenlos und anonym. Samstags beraten dort Jugendliche. Online kannst du jederzeit schreiben [9]. Deine Eltern erreichen das Elterntelefon unter 0800 111 0 550. Weitere Angebote, auch zum Schreiben, stehen auf Hilfe finden.

Du kannst dich auch beim Jugendamt oder bei einer Beratungsstelle der Jugendhilfe melden. Dort darfst du dich ohne Wissen deiner Eltern beraten lassen, solange eine Mitteilung an sie den Zweck der Beratung zunichtemachen würde [8]. Ob du Menschen hast, die dich auffangen, zeigt der Test zur sozialen Unterstützung.

Wenn dich jemand schlägt, bedroht oder erpresst, ist das Gewalt. Erzähl es sofort einer erwachsenen Person. Für eine Strafanzeige ist es wichtig, Beweise zu sammeln, etwa Aufzeichnungen, Screenshots und die Namen von Zeugen [1]. In akuter Gefahr ruf die Polizei unter 110 oder den Notruf 112 an.

  1. Behörde Mobbing. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie Berlin, Antimobbingbeauftragte. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
  2. Organisation Mobbing in der Schule: Was Eltern und Lehrkräfte tun können. DAK-Gesundheit. Stand 01.10.2026. abgerufen am 28.10.2026
  3. Studie Mobbing und Cybermobbing an Schulen in Deutschland: Ergebnisse der HBSC-Studie 2022 und Trends von 2009/10 bis 2022. Journal of Health Monitoring 2024 (1). Fischer SM, Bilz L (Robert Koch-Institut). Stand 04.03.2024. abgerufen am 28.10.2026
  4. Behörde One in six school-aged children experiences cyberbullying, finds new WHO/Europe study. Weltgesundheitsorganisation, Regionalbüro für Europa. Stand 27.03.2024. abgerufen am 28.10.2026
  5. Studie Effectiveness of school-based programs to reduce bullying perpetration and victimization: an updated systematic review and meta-analysis. Campbell Systematic Reviews 17:e1143. Gaffney H, Ttofi MM, Farrington DP. Stand 2021. abgerufen am 28.10.2026
  6. Organisation Cybermobbing: Warnsignale erkennen und richtig reagieren. klicksafe (EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz, Medienanstalt Rheinland-Pfalz). Stand 16.02.2026. abgerufen am 28.10.2026
  7. Gesetz Sozialgesetzbuch Achtes Buch (SGB VIII), § 13a Schulsozialarbeit. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026
  8. Gesetz Sozialgesetzbuch Achtes Buch (SGB VIII), § 8 Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026
  9. Organisation Kinder- und Jugendtelefon und Online-Beratung. Nummer gegen Kummer e. V.. Stand 2026. abgerufen am 28.10.2026

Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.

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