Ratgeber
Gruppendruck: Wie du unter Freunden Nein sagst
Gruppendruck ist der Einfluss von Freunden und Gleichaltrigen auf deine Entscheidungen, direkt durch Überreden oder unausgesprochen durch das, was in der Gruppe als normal gilt. Gegen ungewollten Druck helfen ein vorher überlegtes Nein, kurze Sätze, ein Code mit den Eltern und mindestens eine Person, die zu dir hält. Wird es gefährlich oder bedroht dich jemand, schalte sofort eine erwachsene Person ein.
Gruppendruck sieht jedes Mal anders aus. Alle ziehen noch los, obwohl du nach Hause willst. Jemand reicht eine Zigarette herum. Im Chat wird ein peinliches Foto geteilt, und alle schicken lachende Emojis. Nein zu sagen fällt in solchen Momenten schwer, weil du dazugehören willst. Diese Seite erklärt, warum Gruppendruck im Jugendalter so stark wirkt, was die Forschung dazu weiß und wie du unter Freunden Nein sagst, ohne dich gleich zu isolieren. Wie stark dich deine Gruppe beeinflusst, kannst du vorher mit dem Gruppendruck-Test einschätzen.
Was Gruppendruck ist
Gruppendruck ist der Einfluss, den Freunde und Gleichaltrige auf deine Entscheidungen haben. Er kann direkt sein, wenn dich jemand drängt, Alkohol zu probieren. Er kann aber auch leise wirken, durch unausgesprochene Regeln, wie man sich anzieht oder verhält, um dazuzugehören. Der Druck, das zu tun, was alle tun, kann sehr stark sein und ist schwer auszuhalten [5].
Gleichaltrige können dich in beide Richtungen beeinflussen. Sie geben dir Freundschaft, Ermutigung, Ratschläge und gute Vorbilder und bringen dich dazu, Neues auszuprobieren, etwa ein neues Essen oder einen Verein. Sie können dich aber auch zu riskanten Dingen drängen, zum Beispiel zum Klauen, zu Alkohol und Drogen oder zu Sex, bevor du so weit bist. Wer Alkohol getrunken oder Drogen genommen hat, kann Druck schlechter widerstehen [5].
Warum Gruppendruck im Jugendalter so stark wirkt
Dass Jugendliche in Gesellschaft anderer mehr riskieren, zeigen Experimente. Margo Gardner und Laurence Steinberg haben 306 Menschen in drei Altersgruppen untersucht: 13 bis 16 Jahre, 18 bis 22 Jahre und ab 24 Jahren. Wer die Aufgaben zusammen mit zwei Gleichaltrigen löste, ging mehr Risiken ein, achtete mehr auf den Nutzen als auf die Kosten und entschied riskanter als allein. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen war dieser Effekt stärker als bei Erwachsenen [1].
Auch wie gefährlich etwas wirkt, hängt von anderen ab. In einer Studie von Lisa Knoll und Kolleginnen bewerteten 563 Besucherinnen und Besucher eines Londoner Museums im Alter von 8 bis 59 Jahren, wie riskant Alltagssituationen sind. Danach sahen sie, wie angeblich andere Teenager oder Erwachsene dieselben Situationen bewertet hatten, und durften neu urteilen. Alle Altersgruppen passten ihr Urteil an, Kinder am stärksten, Erwachsene am wenigsten. Nur die 12- bis 14-Jährigen ließen sich von Teenagern stärker beeinflussen als von Erwachsenen [2]. Die Forschenden vermuten dahinter eher den Wunsch, nicht aus der Reihe zu fallen, als mehr Vertrauen in das Urteil der Gleichaltrigen. Sie schreiben selbst, dass das eine Vermutung ist [2].
Die Fähigkeit, sich dem Druck zu widersetzen, wächst mit dem Alter. Laurence Steinberg und Kathryn Monahan haben Daten von rund 3.600 Menschen zwischen 10 und 30 Jahren ausgewertet. Die Widerstandskraft gegen Gruppendruck nahm zwischen 14 und 18 Jahren stetig zu. Zwischen 10 und 14 und zwischen 18 und 30 Jahren veränderte sie sich kaum [3]. Wenn dir ein Nein heute noch schwerfällt, ist das in deinem Alter also normal, und es wird mit der Zeit im Schnitt leichter.
In derselben Auswertung waren Mädchen im Schnitt etwas widerstandsfähiger als Jungen, und zwar in allen Altersgruppen. Den Anstieg zwischen 14 und 18 erklären Steinberg und Monahan vor allem mit wachsender innerer Unabhängigkeit. In diesen Jahren lösen sich Jugendliche ein Stück von den Eltern und finden heraus, wer sie selbst sein wollen. Wer sich damit beschäftigt, kann nach ihrer Deutung auch Freunden gegenüber leichter bei sich bleiben. Warum sich Jüngere manchmal stärker anpassen, deuten Steinberg und Monahan mit größerem Druck in der Gruppe in diesem Alter. Das ist eine Überlegung der Forschenden, ihre Daten prüfen sie nicht direkt. Die Ergebnisse beruhen allerdings auf Selbstauskünften aus den USA, die Stichproben waren nicht repräsentativ [3].
"Alle machen das" stimmt oft nicht
Ein Teil des Drucks entsteht durch das Gefühl, als Einziger nicht mitzumachen. Beim Alkohol zeigen die Zahlen etwas anderes. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) hat 2025 junge Menschen zwischen 12 und 25 Jahren befragt. Von den 12- bis 17-Jährigen hatten 58,9 Prozent schon einmal Alkohol getrunken. In den letzten 30 Tagen war es etwa ein Drittel, 32,9 Prozent. In den letzten 12 Monaten tranken 6,8 Prozent mindestens einmal pro Woche [6]. Die meisten Jugendlichen trinken also nicht regelmäßig, und rund vier von zehn haben noch nie Alkohol getrunken.
Dazu kommen klare Regeln. Bier, Wein und Sekt dürfen in Gaststätten, Geschäften und sonst in der Öffentlichkeit nicht an Jugendliche unter 16 Jahren abgegeben werden, außer eine personensorgeberechtigte Person begleitet sie. Schnaps und andere alkoholische Getränke dürfen an Kinder und Jugendliche gar nicht abgegeben werden [7]. Wenn du ablehnst, bist du bei Schnaps als Jugendliche oder Jugendlicher also immer auf der sicheren Seite, bei Bier, Wein und Sekt bis 16.
So sagst du Nein
Die Kinder- und Jugendgesundheitsseite KidsHealth der amerikanischen Nemours-Stiftung hat Tipps gegen Gruppendruck gesammelt [5]. Die Tabelle fasst sie zusammen.

| Tipp | Wie es geht | Beleg |
|---|---|---|
| Auf dein Bauchgefühl hören | Fühlt sich eine Situation falsch an, ist sie es wahrscheinlich, auch wenn die anderen locker wirken | [5] |
| Vorher planen | Überleg dir vor einer Party, was du sagst, und üb es. Wer eine Flasche Wasser oder eine Limo in der Hand hält, bekommt seltener ein Getränk angeboten, das er nicht will | [5] |
| Code mit den Eltern | Vereinbart ein Wort, mit dem du dich abholen lassen kannst, ohne dein Gesicht zu verlieren | [5] |
| Kurze Sätze bereithalten | Gute Freunde brauchen keine Begründung, eine lockere Ausrede kann trotzdem helfen | [5] |
| Verbündete suchen | Schon ein Freund, der genauso denkt, macht das Nein viel leichter | [5] |
| Eltern als Grund nennen | Ein Satz wie "Wenn meine Eltern das erfahren, gibt es Ärger" ist ein möglicher Ausweg | [5] |
| Vorangehen | Wer zuerst etwas sagt, macht anderen Mut, die genauso denken | [5] |
Ein Nein muss nicht laut oder lang sein. "Nee, für mich nicht", "Keine Lust" oder "Ich fahr noch Rad" reichen meistens.
Verbündete helfen dabei besonders. Wenn du weißt, dass eine Freundin oder ein Freund genauso denkt, sprecht euch vorher ab. Zu zweit Nein zu sagen ist leichter als allein [5].
Gruppendruck im Netz
Auch im Chat entsteht Druck, etwa wenn ein gemeines Bild herumgeht und alle mitlachen. Klicksafe, die EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz, schreibt, dass schon das Weiterleiten oder Liken beleidigender Inhalte problematisch ist und als Cybermobbing gelten kann [9]. Wer Fotos von anderen ohne deren Erlaubnis verbreitet, kann deren Recht am eigenen Bild verletzen, und bestimmte Bildaufnahmen aus dem privaten Bereich weiterzugeben kann strafbar sein [9].
Du musst nicht mitlachen. Klicksafe beschreibt, wie Zuschauende zu Unterstützenden werden: indem sie der betroffenen Person beistehen, Inhalte melden oder Erwachsene informieren [9]. Manchmal reicht es, nichts weiterzuleiten und der betroffenen Person privat zu schreiben.
Wenn aus Druck Mobbing oder Gewalt wird
Manchmal bleibt es nicht bei Überreden. Wenn eine Gruppe dich auslacht, ausschließt oder schikaniert, sobald du nicht mitmachst, kann das Mobbing sein. Viele schauen bei Mobbing zu oder machen mit, weil sie Angst haben, selbst zur Zielscheibe zu werden [8]. Gleichzeitig finden laut Jugendstudien fast alle befragten Jugendlichen, dass man andere unterstützen sollte, die sich nicht selbst wehren können [8]. Wie du dich bei Mobbing wehrst, steht im Ratgeber Mobbing in der Schule.
Wenn eine Situation gefährlich wirkt, hol sofort eine erwachsene Person dazu [5]. Das gilt auch, wenn dich jemand bedroht oder zu etwas zwingt. Das ist Gewalt, und da ist es richtig, Hilfe zu holen. In akuter Gefahr ruf die Polizei unter 110 oder den Notruf 112 an.
Gruppendruck kann auch guttun
Gruppen ziehen dich auch zu guten Dingen. In einem Experiment von Jorien van Hoorn und Kollegen spielten 61 Jugendliche im Alter von 12 bis 13 und 15 bis 16 Jahren ein Spiel, in dem sie Spielmarken für sich behalten oder an eine Gruppe abgeben konnten. Wenn angeblich andere Jugendliche zuschauten, gaben sie mehr ab. Noch mehr gaben sie, wenn die Zuschauenden großzügige Spenden mit Likes belohnten [4].

Such dir deshalb Leute, die dich in eine Richtung ziehen, die dir gefällt. Freunde, die dich zum Training mitnehmen oder mit dir lernen, üben auch Druck aus, nur einen, der dir guttut [5]. Wie gut deine Freundschaften dich tragen, fragt der Freundschafts-Check ab. Wenn dich vor allem die Sorge bremst, was andere über dich denken, kann der Selbstwert-Check weiterhelfen. Für Erwachsene gibt es auf unserer Beziehungsseite den Grenzen-Setzen-Check, den du auch deinen Eltern zeigen kannst.
Wo du Unterstützung findest
Sprich mit jemandem, wenn du oft Dinge tust, die du hinterher bereust, oder wenn du Angst hast, deine Freunde zu verlieren, sobald du Nein sagst. Das können deine Eltern sein, ältere Geschwister, eine Lehrkraft oder die Schulsozialarbeit. Anonym reden kannst du bei der Nummer gegen Kummer unter 116 111, Montag bis Samstag von 14 bis 20 Uhr, kostenlos. Samstags beraten dort Jugendliche. Online kannst du jederzeit schreiben [10].
Beim Jugendamt oder einer Beratungsstelle der Jugendhilfe darfst du dich auch ohne Wissen deiner Eltern beraten lassen, solange eine Mitteilung an sie den Zweck der Beratung zunichtemachen würde [11]. Weitere Angebote, auch zu Sucht und Drogen, stehen auf Hilfe finden.
- Studie Peer influence on risk taking, risk preference, and risky decision making in adolescence and adulthood: an experimental study. Developmental Psychology 41(4):625 bis 635. Gardner M, Steinberg L. Stand 2005. abgerufen am 28.10.2026
- Studie Social influence on risk perception during adolescence. Psychological Science 26(5):583 bis 592. Knoll LJ, Magis-Weinberg L, Speekenbrink M, Blakemore SJ. Stand 2015. abgerufen am 28.10.2026
- Studie Age differences in resistance to peer influence. Developmental Psychology 43(6):1531 bis 1543. Steinberg L, Monahan KC. Stand 2007. abgerufen am 28.10.2026
- Studie Neural correlates of prosocial peer influence on public goods game donations during adolescence. Social Cognitive and Affective Neuroscience 11(6):923 bis 933. Van Hoorn J, Van Dijk E, Güroğlu B, Crone EA. Stand 2016. abgerufen am 28.10.2026
- Organisation Dealing With Peer Pressure (KidsHealth for Teens). Nemours Foundation, KidsHealth Behavioral Health Experts. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Die Drogenaffinität Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland 2025: Ergebnisse zum Alkoholkonsum (Infoblatt). Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Stand 09.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Gesetz Jugendschutzgesetz (JuSchG), § 9 Alkoholische Getränke. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026
- Organisation Mobbing in der Schule: Was Eltern und Lehrkräfte tun können. DAK-Gesundheit. Stand 01.10.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Organisation Cybermobbing: Warnsignale erkennen und richtig reagieren. klicksafe (EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz, Medienanstalt Rheinland-Pfalz). Stand 16.02.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Organisation Kinder- und Jugendtelefon und Online-Beratung. Nummer gegen Kummer e. V.. Stand 2026. abgerufen am 28.10.2026
- Gesetz Sozialgesetzbuch Achtes Buch (SGB VIII), § 8 Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026
Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.
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