Ratgeber
Schulstress: Was du tun kannst, wenn alles zu viel wird
Schulstress entsteht, wenn Anforderungen wie Noten, Hausaufgaben und Prüfungen größer wirken als deine Kraft und deine Zeit. Hilfreich sind genug Schlaf, Pausen und Bewegung, Gespräche mit Freunden und Familie und ein offenes Wort mit Lehrkräften, wenn dir das Pensum über den Kopf wächst. Halten Erschöpfung, Bauch- oder Kopfschmerzen und Schlafprobleme über Wochen an, helfen Schulpsychologie, Schulsozialarbeit und die Kinder- und Jugendarztpraxis weiter.
Schulstress hat viele Gesichter. Bei manchen sind es die Noten, bei anderen der Berg an Hausaufgaben, der Ärger in der Klasse oder das Gefühl, im Unterricht nicht mehr mitzukommen. Oft kommt alles zusammen, und irgendwann ist es einfach zu viel. Vielen geht es so: In einer großen Befragung in Deutschland sagten 61 Prozent der Schülerinnen und Schüler, dass an ihrer Schule viel verlangt wird [4]. Hier liest du, was Stress im Körper auslöst, woran du merkst, dass es zu viel wird, und was du selbst und mit anderen dagegen tun kannst. Woher dein Stress vor allem kommt, zeigt dir der Schulstress-Test.
Was Stress mit dir macht
Stress ist eine natürliche Alarmreaktion des Körpers. Das Gehirn meldet eine Gefahr, und der Körper schüttet Stresshormone wie Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol aus. Das Herz schlägt schneller, du atmest rascher, Blutdruck und Blutzucker steigen. Magen und Darm arbeiten dagegen langsamer [1]. Kurzfristig kann das helfen, zum Beispiel wenn du dich bei einem Referat konzentrieren musst.
Schwierig wird es, wenn der Stress zum Dauerzustand wird. Dann zeigen sich nach Angaben des Gesundheitsportals des Bundes oft Verspannungen, Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme und Schlafstörungen. Auch die Psyche leidet: Viele können sich schlechter konzentrieren, werden gereizt oder niedergeschlagen, und das Selbstbewusstsein sinkt. Hält das lange an, können Angststörungen oder Depressionen entstehen [1]. Dass sich schlechte Laune, Bauchweh und Müdigkeit in stressigen Schulwochen häufen, ist also kein Zufall.
Wie verbreitet Schulstress ist
Der Druck durch die Schule hat in den letzten Jahren zugenommen. Die Weltgesundheitsorganisation hat Daten der internationalen Schülerstudie HBSC mit rund 279.000 Jugendlichen im Alter von 11, 13 und 15 Jahren aus 44 Ländern und Regionen ausgewertet. Von den 15-jährigen Mädchen fühlten sich 2022 63 Prozent durch Schularbeiten unter Druck gesetzt, 2018 waren es 54 Prozent. Bei den Jungen stieg der Anteil von 40 auf 43 Prozent [2].
Das Deutsche Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung hat im Mai und Juni 2025 rund 1.500 Schülerinnen und Schüler von 8 bis 17 Jahren befragt. Etwa die Hälfte (47 Prozent) stimmte eher oder voll zu, dass man auch am Wochenende lernen muss, um zu schaffen, was verlangt wird. Ein Drittel sagte, man könne es sich kaum leisten, krank zu werden, weil man sonst den Anschluss verpasst. 22 Prozent schafften ihre Hausaufgaben nach eigener Aussage kaum [4]. Besonders Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren und Jugendliche am Gymnasium nahmen viel Leistungsdruck wahr [4].
Die Folgen zeigen sich auch in Gesundheitsdaten. Im DAK-Präventionsradar mit über 30.000 Schülerinnen und Schülern der Klassen 5 bis 10 fühlten sich im Schuljahr 2025/2026 69 Prozent mindestens einmal pro Woche ausgelaugt und erschöpft. Drei Jahre vorher waren es 52 Prozent. 46 Prozent hatten mindestens einmal pro Woche Schlafprobleme [3]. Nach der deutschen HBSC-Befragung berichten etwa die Hälfte der Mädchen und ein Drittel der Jungen von mehreren psychosomatischen Beschwerden, also körperlichen Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen, die mit seelischer Belastung zusammenhängen können [5].
Woher Schulstress kommt
Das bayerische Kultusministerium nennt als Auslöser für Ängste in der Schule vor allem zu hohe Leistungsanforderungen, Überforderung, eine unzureichende Vorbereitung auf Prüfungen und Sozialkontakte [6]. Die Tabelle zeigt, was Befragungen zu einigen dieser Auslöser ergeben haben.
| Auslöser | Was Befragungen zeigen | Beleg |
|---|---|---|
| Hohe Anforderungen | 61 Prozent sagen, an ihrer Schule wird viel verlangt; 47 Prozent müssen auch am Wochenende lernen | [4] |
| Hausaufgaben und Tests | 22 Prozent schaffen die Hausaufgaben kaum, 21 Prozent berichten von häufigen unerwarteten Prüfungen | [4] |
| Zu wenig Zeit im Unterricht | 13 Prozent sagen, in allen oder den meisten Stunden reicht die Zeit nicht, um fertig zu werden | [4] |
| Ärger mit Mitschülern | 30 Prozent der 11- bis 17-Jährigen erlebten im Schuljahr mindestens monatlich gemeines Verhalten von Mitschülern | [4] |
| Druck durch Schularbeiten | 63 Prozent der 15-jährigen Mädchen und 43 Prozent der Jungen fühlen sich unter Druck gesetzt (2022) | [2] |
| Weniger Rückhalt | Hohe Unterstützung durch die Familie sank von 73 auf 67 Prozent (2018 bis 2022) | [2] |
Auch Langeweile kann belasten. Etwas mehr als ein Drittel der Befragten im Schulbarometer fand den Unterricht oft langweilig. Sowohl Überforderung als auch Langeweile gingen mit einem geringeren Wohlbefinden in der Schule einher [4]. Wenn hinter deinem Stress vor allem Ärger mit anderen steckt, etwa weil du ausgeschlossen oder fertiggemacht wirst, kann Mobbing dahinterstecken. Dann hilft dir kein neuer Lernplan. Sprich mit einer Lehrkraft deines Vertrauens, damit die Schule davon erfährt.
Woran du merkst, dass es zu viel wird
Ein bisschen Anspannung vor einer Arbeit ist normal. Aufmerksam solltest du werden, wenn die Belastung über Wochen anhält und sich auf deinen Körper und deine Stimmung legt. Typische Zeichen von Dauerstress sind laut Gesundheitsportal Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit und Niedergeschlagenheit [1]. Wenn du morgens kaum noch in die Schule magst, keine Zeit mehr für Freunde und Hobbys findest oder ständig müde bist, ist das ein Signal, etwas zu ändern.
Was du selbst tun kannst
Ein guter erster Schritt ist, genauer hinzuschauen. Das Gesundheitsportal des Bundes rät, die Auslöser zu erkennen und die Probleme anzugehen [1]. Die Nürnberger Schulpsychologie empfiehlt Schülerinnen und Schülern mit Schulangst, ehrlich zu prüfen, ob die Angst mit dem eigenen Lernverhalten in der Schule und zu Hause zusammenhängt, und sich zu überlegen, wann sie mit sich und ihren Leistungen zufrieden sind [7]. Manchmal hilft schon ein anderer Lernplan, manchmal liegt das Problem woanders, etwa in der Klasse oder zu Hause.

Wenn das Lernen selbst der Stressfaktor ist, lohnt es sich, die Methode zu ändern. In einer großen Übersichtsarbeit zu zehn Lerntechniken schnitten das Selbstabfragen und das Verteilen des Stoffs auf mehrere Tage am besten ab. Wiederholtes Durchlesen verbesserte die Leistung dagegen nicht durchgehend [11]. Mehr dazu steht im Ratgeber Konzentriert lernen. Wenn dich vor allem Klassenarbeiten fertigmachen, findest du im Ratgeber Prüfungsangst Tipps für die Zeit vor und in der Prüfung.
Für den Alltag nennt das Gesundheitsportal Dinge, die gegen Stress helfen: tief ein- und ausatmen, weil man unter Stress eher flach atmet, Entspannungsverfahren wie progressive Muskelentspannung ausprobieren, sich bewegen, sich mit Familie oder Freunden austauschen, einem Hobby nachgehen und bewusst Pausen einplanen [1]. Plane solche Pausen in stressigen Wochen genauso ein wie Lernzeiten, sonst fallen sie als Erstes weg. Wie du Stress kurzfristig und langfristig abbaust, beschreibt der Ratgeber Stress abbauen.
Schlaf ist oft das Erste, was unter Schulstress leidet, dabei brauchst du ihn zum Lernen. Die American Academy of Sleep Medicine empfiehlt Jugendlichen von 13 bis 18 Jahren regelmäßig 8 bis 10 Stunden Schlaf. Zu wenig Schlaf über längere Zeit hängt nach ihrer Konsenserklärung mit Problemen bei Aufmerksamkeit, Verhalten und Lernen zusammen [8].
Unterschätze auch nicht, wie viel Gespräche bringen. Nach dem WHO-Bericht berichteten Jugendliche mit starker Unterstützung durch Familie und Gleichaltrige über eine bessere psychische Gesundheit [2]. Erzähl deinen Freunden oder deiner Familie, was dich gerade belastet. Oft geht es anderen ähnlich.
Mit der Schule reden
Du musst Schulstress nicht allein lösen. Im Schulbarometer hing das Wohlbefinden in der Schule am stärksten damit zusammen, wie unterstützend und wertschätzend Schülerinnen und Schüler ihre Lehrkräfte erlebten. Auch ein gutes Klassenklima und Aufgaben, die weder zu schwer noch zu leicht sind, spielten eine Rolle [4]. Die WHO empfiehlt Schulen unter anderem ausgewogene Regeln für Hausaufgaben, Hilfe beim Lernen und regelmäßige Gespräche zwischen Lehrkräften und Schülern [2].

Du darfst also ansprechen, wenn dir das Pensum über den Kopf wächst, zum Beispiel in einer Sprechstunde bei deiner Klassenlehrkraft oder über die Schülervertretung, wenn es vielen in der Klasse so geht. An vielen Schulen gibt es außerdem Schulsozialarbeit. Das sind sozialpädagogische Angebote, die jungen Menschen direkt am Ort Schule zur Verfügung stehen [9]. Was die Schulsozialarbeit an deiner Schule genau macht, regelt das jeweilige Bundesland.
Wann du dir Hilfe holen solltest
Hol dir Unterstützung, wenn du über Wochen schlecht schläfst, oft Kopf- oder Bauchschmerzen hast, dich ständig erschöpft fühlst oder kaum noch in die Schule gehen magst. Erste Ansprechpersonen in der Schule sind nach Angaben des bayerischen Kultusministeriums eine Lehrkraft deines Vertrauens, besonders die Klassenlehrkraft, die Beratungslehrkraft und die Schulpsychologin oder der Schulpsychologe. Außerhalb der Schule helfen die Kinder- und Jugendarztpraxis oder Hausarztpraxis, Familien- und Erziehungsberatungsstellen sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und -psychotherapeuten [6].
Für eine Beratung bei der Jugendhilfe brauchst du nicht unbedingt deine Eltern. Kinder und Jugendliche haben nach dem Kinder- und Jugendhilferecht Anspruch auf Beratung ohne Wissen ihrer Eltern, solange das Wissen der Eltern den Zweck der Beratung vereiteln würde [10]. Anonym und kostenlos erreichst du die Nummer gegen Kummer unter 116 111, Montag bis Samstag von 14 bis 20 Uhr. Weitere Angebote stehen auf Hilfe finden.
Wenn du dich seit Wochen niedergeschlagen fühlst und an fast nichts mehr Freude hast, steckt vielleicht mehr dahinter als Schulstress. Der Stimmungs-Check hilft dir, das einzuordnen. Er ersetzt kein Gespräch mit einer Fachperson.
- Behörde Stress: Auswirkungen auf Körper und Psyche. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 14.01.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Rising school pressure and declining family support especially among girls, finds new WHO/Europe report. Weltgesundheitsorganisation (WHO), Regionalbüro für Europa. Stand 13.11.2024. abgerufen am 28.10.2026
- Studie Ausgelaugt und übermüdet: Fast die Hälfte der Schulkinder hat Schlafprobleme (Pressemitteilung zum Präventionsradar 2026). DAK-Gesundheit, Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord). Stand 14.09.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Studie Deutsches Schulbarometer: Befragung Schüler:innen 2025. Robert Bosch Stiftung, mit Universität Leipzig und forsa. Stand 2026. abgerufen am 28.10.2026
- Studie Subjective health and psychosomatic complaints of children and adolescents in Germany: Results of the HBSC study 2009/10 bis 2022. Journal of Health Monitoring 9(1):7 bis 22. Robert Koch-Institut (Reiß F u. a.). Stand 04.03.2024. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Schulbezogene Ängste (Microsite Schulberatung). Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus. Stand 22.10.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Wenn Schule Angst macht (Information der Schulpsychologie). Institut für Pädagogik und Schulpsychologie Nürnberg (IPSN), Stradtner E, Taborska M. Stand 09/2022. abgerufen am 28.10.2026
- Leitlinie Recommended Amount of Sleep for Pediatric Populations: A Consensus Statement of the American Academy of Sleep Medicine. J Clin Sleep Med 12(6):785 bis 786. Paruthi S u. a.; American Academy of Sleep Medicine. Stand 2016. abgerufen am 28.10.2026
- Gesetz Achtes Buch Sozialgesetzbuch (SGB VIII), § 13a Schulsozialarbeit. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026
- Gesetz Achtes Buch Sozialgesetzbuch (SGB VIII), § 8 Beteiligung von Kindern und Jugendlichen, Abs. 3. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026
- Studie Improving Students' Learning With Effective Learning Techniques. Psychological Science in the Public Interest 14(1):4 bis 58. Dunlosky J, Rawson KA, Marsh EJ, Nathan MJ, Willingham DT. Stand 2013. abgerufen am 28.10.2026
Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.
Passt dazu
-
Ratgeber Konzentriert lernen
Konzentration beim Lernen: welche Lernmethoden in Studien gut abschneiden, wie du Ablenkung durchs Handy verringerst und …
-
Ratgeber Bildschirmzeit für Jugendliche
Bildschirmzeit für Jugendliche: was die Leitlinie für 12 bis 18 Jahre empfiehlt, wie viel Teens wirklich am Handy sind und …
-
Ratgeber Social Media und Psyche
Social Media und Psyche: was Studien über Vergleiche, Körperbild und Schlaf wissen, welche guten Seiten es gibt und was …
-
Tests Social-Media-Test
Social-Media-Test für Jugendliche: 12 Fragen zu Vergleichen, Likes, Angst etwas zu verpassen und Kontrolle über deine Apps.