Ratgeber

Konzentriert lernen: Was deiner Konzentration beim Lernen hilft

Konzentriert lernen klappt besser, wenn Ablenkungen weg sind, du ausgeschlafen bist und eine Methode nutzt, die dich aktiv fordert. Am besten schnitten in einer großen Übersichtsarbeit das Selbstabfragen und das Verteilen des Stoffs auf mehrere Tage ab, wiederholtes Durchlesen und Markieren dagegen schlecht. Jugendliche waren nach PISA-Daten im Unterricht weniger abgelenkt, wenn Benachrichtigungen ausgeschaltet waren und sie sich nicht unter Druck fühlten, sofort zu antworten.

Du setzt dich an die Hausaufgaben, liest denselben Absatz zum dritten Mal, und am Ende weißt du trotzdem nicht, was drinstand. Mit der Konzentration beim Lernen haben viele Jugendliche zu kämpfen. Konzentriert lernen hängt stark von Dingen ab, die du ändern kannst: wo das Handy liegt, wie du lernst und wie viel du schläfst. Hier liest du, was dich beim Lernen ablenkt, welche Lernmethoden in Studien gut abschneiden und welche Rolle Schlaf und Bewegung spielen. Was dich selbst am meisten bremst, zeigt dir der Konzentrations-Check.

Warum die Konzentration beim Lernen nachlässt

Deine Konzentration schwankt mit dem Tag, mit deinem Schlaf, mit dem, was dir gerade im Kopf herumgeht, und mit dem, was um dich herum passiert. Das Gesundheitsportal des Bundes nennt Konzentrationsprobleme zum Beispiel als eine mögliche Folge von Dauerstress [1]. Wer schlecht geschlafen hat, Ärger mit Freunden hat oder vor einer Arbeit Angst hat, kann sich schlechter auf Vokabeln konzentrieren.

Ein großer Faktor sind Ablenkungen von außen, vor allem digitale. In der Schulstudie PISA 2022 gab im Schnitt der OECD-Länder etwa jede und jeder dritte 15-Jährige an, in den meisten oder allen Mathestunden durch die Nutzung digitaler Geräte abgelenkt zu werden. Etwa ein Viertel wurde in den meisten oder allen Stunden durch andere abgelenkt, die digitale Geräte nutzten [2]. Wer das zumindest in einigen Stunden erlebte, schnitt in Mathematik um 15 Punkte schlechter ab als Jugendliche, denen das nie oder fast nie passierte. Dabei waren Unterschiede in der sozialen Herkunft schon herausgerechnet [2]. Jugendliche, die den Unterricht in Mathe als weniger gestört erlebten, hatten in allen beteiligten Ländern auch weniger Angst vor dem Fach [2].

Das Handy beim Lernen

Die PISA-Auswertung nennt für den Mathematikunterricht einen Zusammenhang: Jugendliche waren weniger abgelenkt, wenn sie Benachrichtigungen von sozialen Netzwerken und Apps ausgeschaltet hatten, wenn ihre Geräte nicht nebenbei geöffnet waren und wenn sie sich nicht unter Druck fühlten, online zu sein und sofort auf Nachrichten zu antworten [2].

Für dein Lernen zu Hause kannst du daraus ableiten: Schalte die Benachrichtigungen für die Lernzeit aus und leg das Handy so weg, dass du es nicht siehst. Sag deinen Freunden, dass du gerade lernst und später antwortest. So fällt der Druck weg, ständig erreichbar sein zu müssen. Wenn du das Handy zum Lernen brauchst, etwa für eine Vokabel-App, öffne nur diese eine Anwendung. Ob das Handy dir auch abends den Schlaf raubt, erklärt der Ratgeber Handy im Bett.

Welche Lernmethoden in Studien gut abschneiden

Viele lernen so, wie sie es immer gemacht haben: Text lesen, Wichtiges markieren, noch mal lesen. Das fühlt sich fleißig an, verbessert die Leistung laut der Übersichtsarbeit aber nicht durchgehend. John Dunlosky und Kollegen haben in einer großen Übersichtsarbeit zehn Lerntechniken danach bewertet, wie gut ihr Nutzen über verschiedene Lernende, Fächer und Prüfungsarten belegt ist [3].

LernmethodeBewertung in der ÜbersichtsarbeitBeleg
Dich selbst abfragen (Üben mit Testfragen)Hoher Nutzen[3]
Verteilt lernen (mehrere kürzere Einheiten an verschiedenen Tagen)Hoher Nutzen[3]
Dir Warum-Fragen zum Stoff stellenMittlerer Nutzen[3]
Dir den Stoff selbst erklärenMittlerer Nutzen[3]
Verschiedene Aufgabentypen gemischt übenMittlerer Nutzen[3]
Zusammenfassen, Markieren, wiederholtes DurchlesenGeringer Nutzen[3]
Eselsbrücken mit Schlüsselwörtern, Bilder im Kopf beim LesenGeringer Nutzen[3]

Selbstabfragen und verteiltes Lernen helfen nach der Übersichtsarbeit Lernenden unterschiedlichen Alters und Könnens und haben sich auch im echten Unterricht bewährt. Markieren und wiederholtes Durchlesen sind bei Schülerinnen und Schülern beliebt, verbessern die Leistung aber nicht durchgehend. Die Autoren empfehlen stattdessen zum Beispiel das Üben mit Testfragen [3].

So setzt du die Methoden um

Die Namen klingen sperrig, die Umsetzung ist einfach. Selbst abfragen heißt, das Buch zuzuklappen und aufzuschreiben, was du noch weißt. Oder du nutzt Karteikarten und schaust die Antwort erst an, wenn du dich festgelegt hast. Das ist anstrengender als Lesen, und genau diese Anstrengung zeigt dir, wo noch Lücken sind.

Junge Frau um die achtzehn fragt sich am Fenstertisch mit Karteikarten selbst ab, daneben ein Glas Wasser
Bild: KI-generiert

Verteilt lernen heißt, für eine Arbeit in einer Woche lieber an mehreren Tagen kürzer zu lernen als einen langen Abend vorher. Plane dafür rückwärts: Schreib dir den Termin der Arbeit auf und verteile den Stoff auf die Tage davor.

Bei Warum-Fragen fragst du dich zu jedem Punkt, warum er stimmt. Beim Erklären sagst du laut oder schriftlich in eigenen Worten, wie etwas funktioniert, zum Beispiel deiner Schwester oder einer Freundin. Gemischt üben bedeutet, im Mathebuch Aufgaben aus verschiedenen Kapiteln abwechselnd zu rechnen. So musst du jedes Mal erst erkennen, welcher Rechenweg passt, wie in der Klassenarbeit auch [3].

Ziele setzen und Rückmeldung holen

Die Tübinger Bildungsforscher nennen als nachweislich wirksame Strategien zum Beispiel klare Lernziele, Rückmeldung und das Vermitteln von Lernstrategien [4]. Auf dein eigenes Lernen übertragen heißt das, vor jeder Lerneinheit festzulegen, was du danach können willst. "Kapitel 4 lesen" ist ein schwaches Ziel. "Die fünf Ursachen aus Kapitel 4 ohne Buch aufschreiben können" ist ein Ziel, bei dem du am Ende prüfen kannst, ob du es erreicht hast. So verbindest du das Ziel gleich mit einer Selbstabfrage.

Rückmeldung bekommst du nicht nur von Lehrkräften. Wenn du eine Übungsaufgabe rechnest und danach mit der Lösung vergleichst, ist das auch Rückmeldung. Frag in der Schule nach, wenn du bei einer Aufgabe nicht weißt, warum dein Weg falsch war. Je früher du eine Lücke bemerkst, desto weniger musst du am Ende nachholen.

Lerntypen: was die Forschung sagt

Vielleicht hast du schon gehört, dass du ein "visueller" oder "auditiver" Lerntyp bist und deshalb nur mit Bildern oder nur über das Hören gut lernst. Bildungsforscher der Universität Tübingen nennen diese Annahme wissenschaftlich nicht haltbar. Nach ihrer Darstellung zeigen zahlreiche Studien, dass es keinen lernfördernden Effekt hat, den Unterricht an vermeintliche Lerntypen anzupassen [4]. Sie empfehlen, mit verschiedenen Darstellungen zu lernen, etwa mit Bildern in sinnvoller Kombination mit Texten, und raten zu klaren Lernzielen und Rückmeldung [4].

Wenn dir eine Skizze beim Verstehen hilft, nutz sie ruhig. Lege dich aber nicht auf eine einzige Form fest. Welche Lerngewohnheiten du schon hast und welche Methoden du noch ausprobieren könntest, zeigt der Lerntyp-Test. Er beschreibt deine Gewohnheiten und ordnet dich keinem Typ zu.

Schlaf: die Grundlage für Konzentration

Viele Konzentrationsprobleme beginnen am Abend davor. Die American Academy of Sleep Medicine empfiehlt Jugendlichen von 13 bis 18 Jahren regelmäßig 8 bis 10 Stunden Schlaf in 24 Stunden. Wer über längere Zeit weniger schläft, hat nach ihrer Konsenserklärung häufiger Probleme mit Aufmerksamkeit, Verhalten und Lernen [5]. Zu wenig Schlaf hängt nach der Erklärung also mit Problemen bei genau dem zusammen, was du in der Arbeit brauchst: Aufmerksamkeit und Lernen.

Warum es Jugendlichen oft so schwerfällt, abends früh müde zu werden, erklärt der Ratgeber Warum Jugendliche spät müde werden.

Bewegung und Pausen

Bewegung tut auch dem Kopf gut. Die Weltgesundheitsorganisation nennt für Kinder und Jugendliche bessere kognitive Leistungen und eine bessere psychische Gesundheit unter den Vorteilen regelmäßiger Bewegung [6]. In PISA 2015 hing jeder zusätzliche Tag mit mäßiger Bewegung pro Woche leicht mit besseren Leistungen in Naturwissenschaften zusammen [7]. Beides sind Zusammenhänge und kein Beweis, dass Bewegung bessere Noten macht. Ein Spaziergang oder eine Runde Rad zwischen zwei Lerneinheiten ist aber eine gute Pause.

Junger Mann um die neunzehn dehnt in einer Lernpause auf dem Rasen hinter dem Haus Arme und Rücken
Bild: KI-generiert

Pausen gehören zum verteilten Lernen dazu. Wenn du merkst, dass du denselben Satz immer wieder liest, ist das ein guter Moment für eine kurze Unterbrechung. Danach fang mit einer Selbstabfrage an. So merkst du schnell, ob der Stoff angekommen ist.

Wenn die Konzentration dauerhaft schlecht ist

Manchmal reicht es nicht, das Handy wegzulegen und früher ins Bett zu gehen. Wenn du dich über Monate kaum konzentrieren kannst, obwohl du genug schläfst und deine Lernbedingungen verbessert hast, lohnt sich ein genauerer Blick. Leichte Ablenkbarkeit und schlechte Konzentration gehören zu den Hauptmerkmalen von ADHS. Bei etwa 5 Prozent der Kinder wird ADHS festgestellt. Vor einer Diagnose sollen andere Ursachen geklärt werden, zum Beispiel Schlafstörungen, Sehfehler, Schwerhörigkeit oder eine Schilddrüsenüberfunktion, aber auch andere psychische Erkrankungen und Probleme in der Schule [8]. Die Diagnose stellen Fachärztinnen und Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin oder Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten für Kinder und Jugendliche [8].

Ob deine Aufmerksamkeitsprobleme in diese Richtung gehen, kannst du mit dem ADHS-Selbsttest für Jugendliche einschätzen. Er gibt dir eine Einschätzung und ersetzt keine Untersuchung. Wenn dich eher Sorgen oder Stress vom Lernen abhalten, sprich mit deinen Eltern, einer Lehrkraft deines Vertrauens oder der Schulpsychologie. Anonym erreichst du die Nummer gegen Kummer unter 116 111, Montag bis Samstag von 14 bis 20 Uhr. Weitere Angebote stehen auf Hilfe finden.

  1. Behörde Stress: Auswirkungen auf Körper und Psyche. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 14.01.2026. abgerufen am 28.10.2026
  2. Studie PISA 2022 Results (Volume II): Learning During and From Disruption. OECD. Stand 2023. abgerufen am 28.10.2026
  3. Studie Improving Students' Learning With Effective Learning Techniques. Psychological Science in the Public Interest 14(1):4 bis 58. Dunlosky J, Rawson KA, Marsh EJ, Nathan MJ, Willingham DT. Stand 2013. abgerufen am 28.10.2026
  4. Organisation Faktencheck deckt Bildungsmythen auf: Lerntypen gibt es nicht. Universität Tübingen, LEAD Graduate School & Research Network. Stand 08.12.2025. abgerufen am 28.10.2026
  5. Leitlinie Recommended Amount of Sleep for Pediatric Populations: A Consensus Statement of the American Academy of Sleep Medicine. J Clin Sleep Med 12(6):785 bis 786. Paruthi S u. a.; American Academy of Sleep Medicine. Stand 2016. abgerufen am 28.10.2026
  6. Behörde Physical activity (Fact sheet). Weltgesundheitsorganisation (WHO). Stand 26.06.2024. abgerufen am 28.10.2026
  7. Studie PISA 2015 Results (Volume III): Students' Well-Being. Overview. OECD. Stand 2017. abgerufen am 28.10.2026
  8. Behörde ADHS. gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit, in Zusammenarbeit mit dem IQWiG. Stand 21.10.2022. abgerufen am 28.10.2026

Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.

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